Teil eines Werkes 
3. Band, Problematische Naturen : Roman : 3. Band (1866)
Entstehung
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Dritter Band. 11

etwas entfremdet zu haben, ſo war dies freilich nur zu wahr, aber die Schuld daran traf weniger die junge Dame, als die Baronin ſelbſt. Sie war es geweſen, auf deren Wunſch Helene ſo lange Jahre fern von ihrem elterlichen Hauſe geweſen war; ſie hatte dem ſchwachen Gemahl, wenn er ſich nach der geliebten Tochter ſehnte, auseinander⸗ geſetzt, wie vortheilhaft für die Tournüre und für die Bildung einer jungen Dame es ſei, wenn ſie ſo früh wie möglich in die ſtrenge Schule eines Muſterpenſionats komme und ſo lange wie möglich dort bleibe; ſie hatte ſchon vorher, wenn die Kleine ſich liebevoll an ſie ſchmiegen wollte, nur eine kalte Miene und ein paar kühle franzöſiſche Redensarten für ſie gehabt, bis das Kind, größer geworden, die Hoff⸗ nungsloſigkeit des Verſuchs, einen Weg zum Mutterherzen zu finden, einſah und ſie fortan mit Liebkoſungen, die nicht erwiedert wurden verſchonte. Die arme Kleine mußte das Unrecht, kein Knabe zu ſein und nichts zur Sicherung des Majorats in der Familie thun zu können, ſchwer büßen, und ſie hätte wohl noch lange, von der Mutter halb vergeſſen, in der Verbannung leben können, wenn dieſe nicht endlich auf den Gedanken gekommen wäre, ob Helene durch eine Hei⸗ rath mit ihrem Couſin Fekix, dem Majoratserben der Grenwitz ſchen Güter nach Malte's Tode, nicht doch vielleicht mittelbar zur Erhaltung der Herrſchaft beitragen könne. Daß dieſer Gedanke ſich würde aus⸗ führen laſſen, daran zweifelte die energiſche Frau nicht. Felix hatte nicht nur das Projekt höchlichſt gebilligt, ſondern ſchon alle Schritte gethan, die ihm die Baronin als nothwendige Präliminarien zum ab⸗ zuſchließenden Heirathscontrakt bezeichnete. Er hatte ſeinen Abſchied genommen; er hatte die Garniſonsſtadt, den Schauplatz ſeiner Helden⸗ thaten, verlaſſen und ſich auf ſeine Güter begeben, vermuthlich um ſich die Stellen anzuſehen, wo einſt die ſchönen Waldungen ſtanden, die er erbarmungslos hatte umhauen laſſen, um die dringendſten Gläubiger zu befriedigen. Baron Felix hatte die Gewohnheit, Jedem, der ihm Geld lieh, Alles zu verſprechen, was man verlangte warum ſollte er nicht der Baronin verſprechen, ihre Tochter zu heirathen, wenn ſie ſich anheiſchig machte, ſeine Schulden, die drückendſten we⸗ nigſtens, zu bezahlen und ihm zu helfen, die in Grund und Boden gewirthſchafteten Güter wieder nutzbar zu machen? Von dieſer Seite