Teil eines Werkes 
3. Band, Problematische Naturen : Roman : 3. Band (1866)
Entstehung
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Dritter Band. 9

gegangen ſei; was aber dieſe Veränderung hervorgebracht hatte, das wußte, das ahnte Keiner.

Dennoch hätte der Grund derſelben einem ſcharfſichtigen Beobach⸗ ter nicht entgehen können, und würde auch wohl Oswald nicht ent⸗ gangen ſein, wenn er mit ſeinen eigenen Herzeusangelegenheiten nicht ſo vollauf beſchäftigt geweſen wäre. Schon die Unterhaltung mit Bruno am erſten Abend hätte ihm einen Aufſchluß geben müſſen. Wie Helene's Name dort wieder und immer wiederkehrte, ſo ließ ſich ietzt Alles, was der Kuabe ſagte und that, ſchließlich auf Helene zurückbeziehen, obgleich er allerdings, dem Vogel gleich, der durch Hin⸗ und Herflattern den Verfolger von ſeinem Neſt fortzulocken ſucht, ſorgfältig darauf bedacht war, Andere vorzuſchieben und ſich für Helene gerade am wenigſten zu intereſſiren ſchien. Denn nicht nur die Schande, auch die Liebe wird heimlich geboren und in Heim⸗ lichkeit gepflegt und genährt, zumal wenn das Herz, das ſie gebar, iung und unſchuldig iſt, ſo unſchuldig, daß es kaum weiß, wie ihm geſchah, und nur das Eine fühlt, daß ein Gott es berührt hat. Was iſt nur mit dem Knaben? fragten ſich die Andern, wenn ſie ſahen, wie ſeine dunkeln Augen leuchteten, wie ſtolz und kühn ſeine Haltung, wie elaſtiſch ſein Schritt war; wenn ſie ſeine Stimme hörten, die bald ſo weich war, wie lauer Abendwind, bald in der Aufregung des Spiels, oder wenn ſonſt etwas ſeine Energie herausforderte, klar und ſcharf und machtvoll wie Drommetenton.

Und wenn es wirklich manchmal ſchien, als ob Bruno nur ſeiner ſchönen Couſine zu Liebe dem Einſiedlerleben entſagt habe, ſo konnte dies um ſo weniger auffallen, als Alle mehr oder weniger ſeit der Reiſe ſich verändert hatten, und Alle mehr oder weniger dem neu aufgegangenen glänzenden Stern huldigten. Oder weshalb war die Baronin jetzt ganz Freundlichkeit und Güte? Weshalb erſchien ſie bei Tiſch jetzt ſtets mit einem lächelnden Geſicht und bemühte ſich, die Unterhaltung während der Mahlzeit nicht in's Stocken gerathen zu laſſen? weshalb ließ der Baron, zum großen Aerger des ſchweig⸗ ſamen Kutſchers, ſobald nur der Wunſch ausgeſprochen war, dieſen oder jenen weiter belegenen Punkt zu beſuchen, die ſchwerfälligen Braunen anſpannen während ſo Etwas vor der Reiſe geradezu