8 Problematiſche Naturen.
jectirte große Reiſe durch Deutſchland, England, Frankreich, vielleicht auch Italien antreten würde, ausführlich geſchildert, mit einem war⸗ men Intereſſe, das, wenn es ſeine Abſicht war, die Ausführung dieſes Planes einem Andern zu überlaſſen, mindeſtens unerklärlich ſchien. Auch auf den Wunſch der Baronin, mit Fräulein Helene die durch ihren Fortgang von der Penſion unterbrochenen Studien wieder auf⸗ zunehmen, war er bereitwilligſt eingegangen; und morgen ſchon ſollten dieſe Lectionen, an denen auch die lernluſtige Baronin manchmal theil⸗ zunehmen verſprach, ihren Anfang nehmen.
Und, abgeſehen von dem Allen, ſo hätte er doch, ging er von Grenwitz fort, auch Bruno verlaſſen müſſen, Bruno, deñ er ſo brü⸗ derlich liebte, deſſen glänzende Fähigkeiten zu entwickeln, ihm eine ſo köſtliche Aufgabe däuchte, den in die Wiſſenſchaft und hernach in das Leben einzuführen, bisher einer ſeiner liebſten Wünſche geweſen war!
Die kurze Reiſe ſchien, wie auf Alle, ſo auch auf Bruno, einen ſehr wohlthätigen Einfluß gehabt zu haben. Er hatte viel von ſeinem trotzig düſtern Weſen abgelegt; er ſuchte jetzt die Geſellſchaft, die er früher im Verein mit Oswald gemieden hatte, auf und gab auch Oswald gute Worte, an Spaziergängen und an andern gemeinſamen Vergnügungen Theil zu nehmen. Er ahnte nicht, daß Oswald ihm durchaus kein großes Opfer brachte, wenn er dieſen Bitten nachgab, ja, daß dieſer ſich nur zum Schein bitten ließ, um vor ſich ſelbſt die Inconſequenz, deren er ſich in dieſer Beziehung ſchuldig machte, zu beſchönigen. Bruno, von Oswald mit ſeinem Intereſſe an Dingen und Perſonen, die ihm ſonſt gleichgültig oder verhaßt geweſen waren, geneckt, ſagte, er wiſſe nicht, was mit einem Male über ihn gekommen ſei; ihm ſei zu Muthe, wie einem Vogel, der, aus ſeinem Käfig ent⸗ flogen, die Freiheit wieder erlangt habe; wie einer Blume, wenn nach Sturm und Regen die Sonne wieder ſcheine. Und wirklich, Bruno war munter wie ein Vogel und, in dieſer ſeiner Munterkeit, ſchön wie eine Blume, die eben dem Lichte den vollen Kelch erſchließt. Es war unmöglich, den herrlichen Knaben nicht zu bewundern: ſeine Freundlichkeit war eben ſo hinreißend liebeuswürdig, wie ſein Trotz abſtoßend und oft geradezu beleidigend war. Alle waren miteinander darüber einig, vaß eine merkwürdige Veränderung mit Bruno vor⸗
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