Teil eines Werkes 
3. Band, Problematische Naturen : Roman : 3. Band (1866)
Entstehung
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Dritter Band.

Zweites Capitel.

Es iſt bekanntlich das Schickſal faſt jeden guten Rathes, daß er entweder zu ſpät kommt, oder in dem Augenblick, wo er gegeben wird, ausgeführt werden müßte, und nur leider aus dieſem oder jenem Grunde nicht ausgeführt werden kann. So war es auch in dieſem Fall. Der Rath des Doctors war vortrefflich; das ſah ſelbſt Oswald eiü, um ſo mehr, als er noch vor kurzer Zeit über ſeine ſchiefe und ganz unhaltbare Situation in dieſer hochadligen Familie nicht viel anders gedacht hatte, als der Doctor. Aber einen Ausweg aus dieſem Labyrinth vermochte er nicht zu entdecken; wenigſtens nicht für den Augenblick. Daß er in der letzten Zeit über ſeine Liebe zu Melitta alles Andere vergeſſen und an eine Veränderung, die ihn ſofort von der Geliebten entfernen mußte, am wenigſten gedacht, ja die Möglichkeit einer ſolchen als das größte Unglück angeſehen hatte, war ſo natürlich. Und auch jetzt, wo durch Melitta's Reiſe und durch den wahrſcheinlichen Tod des Herrn von Berkow die Gegenwart und die Zukunft gleich dunkel und verworren ſchienen, konnte er ſich unmög⸗ lich über einen Punkt entſcheiden, der für Melitta nicht weniger wich⸗ tig war, als für ihn ſelbſt. Und dann, ganz abgeſehen von ſeinem Verhältniß zu Melitta, hatte er ſo gar keinen oſtenſiblen Grund, die Stellung, zu der er ſich auf mehrere Jahre verpflichtet hatte, aufzu⸗ geben, daß er keinen Bruch hätte gewaltſam herbeiführen müſſen. Ein ſolcher Staatsſtreich aber würde zu jeder Zeit für Oswald's Hamlet⸗Natur etwas Peinliches und Widerliches gehabt haben, und jetzt, wo die Baronin, gegen die er ſich doch in einem ſolchen Falle wenden mußte, ſich offenbar bemühte, mit ihm, ebenſo wie mit aller Welt, in Frieden und Freundſchaft zu leben, fehlte es ihm ſogar an dem Allerwichtigſten, an einem Gegner, welcher den von ihm hin⸗ geſchleuderten Fehdehandſchuh hätte aufnehmen können und mögen.

Ueberdies hatte er noch ganz kürzlich der Baronin den Gang des Unterrichts der Knaben bis zu der Zeit, wo er mit ihnen die pro⸗