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Zweiter Band. 191
liebſt, der aber ſo viel Geld hat, daß er alle meine Schulden bezah⸗ len kann und doch noch genug für euch Beide behält. Und es ſtand gar nicht einmal ſo ſchlimm mit Herrn von Barnewitz. Was er im Spiel verloren hatte, konnte er auch im Spiel wieder gewinnen, und hat's auch hernach zum Theil wiedergewonnen, ſo daß er ſpäter, wenn er zu viel getrunken, oft zu mir geſagt hat: hätte ich gewußt, Bau⸗ mann, daß ich noch ſolch Glück im Pharao haben würde, da hätte der— es war ein häßliches Wort und ein ordentlicher Menſch bringt es nicht gern über die Lippen,— da hätte ich Herrn von Berkow
auch was anders gegeben, als meine Tochter. Mein einziger Troſt
iſt nur, das er's nicht lange mehr treibt, und dann kann ſie ja noch immer einen andern heirathen. Nun, der gnädige Herr trieb es ſelbſt nicht lange mehr, aber doch noch lange genug, daß er das Unglück, welches er angerichtet hatte, mit ſeinen leiblichen Augen ſehen konnte. Da hätte er gern ſein Leben drum gegeben, um ungeſchehen zu machen, was geſchehen war; aber wer ſich mit dem Teufel einläßt, darf ſich nicht wundern, wenn der liebe Gott nichts von ihm wiſſen will. So war die ſchöne junge Frau eine Wittwe und war es doch auch wieder nicht. Reichthum hatte ſie nun, die Hülle und Fülle; aber mir däucht, ſie wäre doch glücklicher geweſen, wenn ſie unter einem Strohdach mit einem braven Mann gelebt hätte, als ſo mutterſeelenallein in dem großen, öden Hauſe. Nun war freilich der Julius da, aber eine Schwalbe macht noch keinen Sommer, und ein Kind iſt noch immer keine Familie. Sehen Sie, junger Herr, das hat mein altes Herz oft bluten machen, und wenn ich die liebe gnädige Frau ſo des Abends allein durch den einſamen Garten wandeln ſah, da habe ich oft den lieben Gott gebeten, er ſolle den armen Herrn von Berkow in Gna⸗ den zu ſich nehmen, und verſtatten, daß die arme gnädige Frau doch einmal in ihrem Leben glücklich wird, wie es doch andere Frauen ſind, die nicht werth ſind, daß ſie ihr die Schuhriemen löſen. Reich braucht der Mann nicht zu ſein, denn ſie hat, wenn's doch ja Reich⸗ thum ſein ſoll, genug für Beide,— aber Kopf und Herz muß er auf dem rechten Fleck haben und lieb muß er ſie haben, mehr als
ſeinen Augapfel. Und wenn ich einen ſolchen Mann wüßte, und ihr
einen ſolchen Mann verſchaffen könnte, und ich ſähe ſie nun glücklich


