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188 Problematiſche Naturen.
„Geben Sie!“
„Nur Geduld, junger Herr! Ich habe an Alles gedacht. Dies Packet iſt, wie Sie ſehen, wohl zugebunden und verſiegelt, und trägt die Aufſchrift: Hierbei die bewußten Bücher mit beſtem Dank zurück. Die andern wird Ihnen Baumann zuſtellen, ſobald ich ſie durchgeleſen habe— und die Unterſchrift: Ihr ergebenſter B.— das kann ja wohl ſo gut Bemperlein als Baumann heißen, nicht wahr?“
Der alte Baumann hatte, während er ſprach, die Schnur um
das Packet gelöſt und aus einem der drei Bücher, die es enthielt,
einen Brief genommen, den Oswald haſtig erbrach und gegen das Licht
hielt, um ihn zu leſen. Aber das Dunkel unter den hohen Bäumen
war bereits zu dicht; er vermochte nur noch die Ueberſchrift: liebſtes
Herz, mit Mühe zu entziffern. 9 „Ich kann nichts mehr ſehen,“ ſagte er traurig.
„Wären Sie in Saſſitz ſitzen geblieben, wie Sie neulich wollten,
oder hätten Sie geſtern dem alten Baumann ein Wort zukommen laſſen, ſo wären Sie noch bei guter Tageszeit in Beſitz dieſes Briefes von meiner gnädigen Frau geweſen.“ Hswald fühlte wohl den Vorwurf, der in dieſen ſehr ruhig ge⸗ en Worten lag und es wurde ihm nicht ſchwer, dem treuen 3 Freunde Melitta's ſein Unrecht einzugeſtehen. erzeihen Sie mir,“ ſagte er,„daß ich Ihnen die zweifache Mühe Sant habe, ich habe meine Unbeſonnenheit den ganzen Tag hindurch ſchon verwünſcht und ich bin ſchwer genug dafür beſtraft, denn hier halte ich den theuren Brief in den Händen, und kann doch nicht er⸗ fahren, wie es ihr, wie es Frau von Berkow geht, ob ſie wohl iſt, ob ſie glücklich in N. angekommen iſt, und tauſenderlei, was ich Alles wiſſen möchte und was ohne Zweifel hier ſteht“— und er verſuchte noch einmal den Brief zu leſen.„ „Nu, nu!“ ſagte der alte Baumann;„wegen meiner haben Sie nun ſchon keine Sorge nicht; ſo eine Meile oder zwei mehr oder
weniger, darauf kommt es mir und dem Brownlock nicht eben an⸗
Und was die Nachrichten betrifft, die Sie zu haben wünſchen, ſo weiß
ich davon auch eine oder die andere mitzutheilen, ſintemalen Herr
Bemperlein mir einen Schreibebrief überſandt hat, in welchem die
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