Problematiſche Naturen.
damit ſie uns nicht die Heldenkrone, von der wir träumen, in eine klingende Schellenkappe verwandelt. Denken Sie an den edlen Jun⸗ ker aus der Mancha, und wie ſein ritterlicher Leib geſchunden und geprügelt wurde für die Wallungen ſeines guten Herzens!— Und dann: wiſſen Sie denn, ob die Andromeda, deren Perſeus Sie wer⸗ den wollen, überhaupt befreit ſein will? Ich kenne den Baron Felir nicht— vielleicht iſt er beſſer, als ſein Ruf; ich habe nicht drei Worte mit Fräulein Helene geſprochen— vielleicht iſt ſie keineswegs ſo lieb und gut, wie ſie ſchön iſt.“
„Sie iſt es, ſie iſt es, verlaſſen Sie ſich darauf;“ rief Oswald eifrig.
„Gut, daß Sie noch nicht dreißig Jahre alt ſind;“ ſagte der Doctor lachend.
„Weshalb?“
„Sie wiſſen, was den Schwärmern, nach Goethe's Ausſpruch, in dem bezeichneten Lebensalter zukommt? der Tod— an demſelben Kreuze, welches ſie bis dahin keuchend durch das Leben ſchleppten.— Aber da ſind wir ſchon nahe am Thore. Wollen Sie mir erlauben, daß ich Sie hier abſetze? Ich habe noch einen Beſuch im Dorfe zu machen und dieſer Weg führt direct hin, während ich über den Schloß⸗ hof einen langen Umweg machen muß. Uebermorgen komme ich wie⸗ der nach Grenwitz. Hoffentlich geht Ihr Puls dann ruhiger. Ich ſagte Ihnen ja gleich: Die Einſamkeit iſt reines Gift für Ihre Natur. Adien!“
vierzehntes Capitel.
Es war ein köſtlicher Anblick, den der Schloßhof von Grenwitz in dem Augenblick gewährte, als ihn Oswald durch das finſtere Thor betrat, ein Anblick, wohl geeignet, ein ſchmerzlich zuckendes Herz zur Ruhe zu wiegen. Während die höchſten Kuppen der gewaltigen Lin⸗ den, die auf das Portal des Schloſſes zuführten, und die Zinne des


