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Zweiter Band. 59
der Baron ſtirbt, ſie nicht nur einen alten Gemahl, ſondern auch die, angenehme Ausſicht verliert, ſich aus dem Ueberſchuß der Revenüen
nach und nach ein bedeutendes Vermögen zurücklegen zu können. Deshalb iſt ihr Malte lange nicht ſo wichtig. Dennoch fürchtet ſie auch für den, da bei ſeinem Tode das Majorat ganz aus dieſer Linie heraus an eine noch jüngere fallen würde, die durch Felix von Gren⸗ witz, einen Ex⸗Lieutenant und notvriſchen Roué, repräſentirt wird. Und nun kommt die Teufelei: um, wenn auch der Baron und ſelbſt Malte vor der Zeit ſterben ſollten, doch immer noch, ſo zu ſagen, die Hand im Spiele zu haben, hat Anna⸗Maria eine Heirath zwiſchen Fräulein Helene und dem ausgezeichneten Vetter Felix projectirt. Das
arme Kind weiß nichts von dieſem intereſſanten Plan, deſto mehr aber,
fürchte ich, der ausgezeichneteFelix, der in wenigen Tagen nach Gren⸗
witz kommen wird, um fern von dem aufregenden ſtädtiſchen Treiben
in der Stille des Landlebens ganz ſeiner angegriffenen Geſundheit zu
leben, wie die Baronin ſagt. Mit einem Worte: es iſt die alltägliche Miſore von Soll und Haben, das ganz gemeine Brimborium, durch welches ein unſchuldiges Püppchen geknetet und zugerichtet wird, und Ihnen wird das Glück zu Theil werden, dieſem erhebenden Schauſpiel als unbefangener Beobachter beiwohnen zu dürfen.“
„Das wird nimmermehr geſchehen,“ rief Oswald.
„Sie wollen alſo Ihre Stelle aufgeben?“
„Ich muß es wohl,— oder—“ eine Sturmfluth von Leiden⸗ ſchaft brauſte durch Oswald's Seele. Er dachte an die unglückliche Marie, die jetzt oft mit auf der Bruſt gefaltenen Händen, wie eine ſchmerzensreiche Heilige durch ſeine Träume glitt, er dachte an Me⸗ litta, die verkauft worden war von ihrem eigenen Vater! Jetzt ſollte ſich das Bubenſtück wiederholen— vor ſeinen Augen—
„Nimmermehr, nimmermehr!“ rief er.
„Sie wollen alſo Ihre Stelle aufgeben?“
„Nein; wenigſtens nicht, bevor ich, ſo oder ſo, die Ausführung
dieſes ſchurkiſchen Planes vereitelt habe; bevor ich gethan habe, was
ich konnte, ihn zu vereiteln!“ „Aber was werden Sie thun können? Lieber Freund, die Groß⸗ muth iſt eine Tugend, der wir genau auf die Finger ſehen müſſen,
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