Teil eines Werkes 
2. Band, Problematische Naturen : 2. Band (1866)
Entstehung
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Zweiter Band. 151

mit denen er den Vorbereitungen zur Reiſe zuſah und ſchließlich am Tage der Abreiſe von Allen, ſelbſt von Bruno Abſchied nahm. Vielleicht ärgerte er ſich, daß man ihn nicht mitnahm, vielleicht wußte er nicht, wo er bleiben ſollte. Gleichviel, wenn er nur nicht auf dem Schloſſe blieb, wenn er nur, wie er es wirklich that, in demſelben Augenblicke, wo die Familienkutſche, beſpannt mit den vier ſchwer⸗ fälligen, von dem ſchweigſamen Kutſcher gelenkten Braunen langſam und würdevoll zu dem Hauptthor hinausfuhr, den leichten Ränzel auf dem Rücken durch das andere Thor in die weite Welt hinein⸗ wanderte.

Aber Herr Albert Timm durfte bleiben! Er machte nicht ſo lächerliche Anſprüche, wie der hochmüthige Oswald; er war mit Allem zufrieden! und dann konnte er in der Einſamkeit des Schloſſes ſo ungeſtört arbeiten und die ſchleunige Vollendung der Flurkarten war von ſo großer Wichtigkeit! Mademvoiſelle war angewieſen, es Herrn Timm an nichts fehlen zu laſſen. Daß es vielleicht nicht ganz ſchicklich ſei, ein junges Mädchen von zwanzig Jahren und einen jungen Mann von ſechsundzwanzig unter der Aufſicht einiger Dienſt⸗ leute, über welche das junge Mädchen das Commando führte, auf einem einſamen Schloſſe zurückzulaſſen, war ſonderbarer Weiſe der ſo überaus ſtrengen Baronin gar nicht in den Sinn gekommen. Die tugendhafte Frau würde die Naſe gerümpft, würde es unverantwort⸗ lich, unverzeihlich gefunden haben, wenn ſie gehört hätte, daß der ijunge Graf Grieben mit Fräulein von Breeſen fünf Minuten nur in einem Zimmer allein geweſen ſei, aber der Geometer Albert Timm und ihre Wirthſchafterin Marguerite Roger— du lieber Himmel! ſich um das Schickſal ſolcher Leute auch noch den Kopf zu zerbrechen— das iſt offenbar zu viel verlangt! Und Marguerite hatte nicht einmal Eltern, denen man vielleicht verantwortlich geweſen wäre— ſie hatte gar keine Verwandten— wie kann man für Jemand verantwortlich ſein, der ganz allein in der Welt daſteht! Man hatte Frau Paſtor Jäger gebeten, ſich von Zeit zu Zeit zu überzeugen, daß den Befehlen der Baronin ſtrenge Folge geleiſtet würde— Frau Paſtor Jäger war eine vortreffliche Frau, die kleine Marguerite ſtand an ie vortrefflicher Aufſicht.