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150 Problematiſche Naturen.
„Nein,“ ſagte Herr Bemperlein,„und dennoch iſt ſie unſere Rich⸗ terin, deren Ausſpruch wir uns fügen müſſen, wir mögen wollen oder nicht. Und dieſer Gedanke iſt es, welcher für meine Augen einen tiefen Schatten auf das ſonnige Bild einer ſo reinen, uneigennützigen Liebe wirft. Doch ich will Ihr Herz, das in dieſem Augenblicke ſchon ſchwer genug iſt, nicht noch ſchwerer machen. Dem Starken und Muthigen hilft das Glück. Sie ſind ja ſtark und muthig, und ſind es doppelt und dreifach, weil Sie lieben. Es ſoll ja der Glaube Berge verſetzen können. Was dem Glauben gelingt, kann der Liebe nicht unmöglich ſein. Doch ſtill, da kommt die gnädige Frau.“
Die Thür wurde geöffnet und Melitta erſchien im Reiſeanzug. Der alte Baumann war bei ihr.
„Ich bin bereit, lieber Bemperlein,“ ſagte ſie zu dieſem, und dann,
ſich in Oswald's Arme werfend:„Leb wohl, liebes Herz! leb wohl!“
Elftes Capitel.
Die Baronin Grenwitz war aus mehr denn einem Grunde feſt
entſchloſſen, Oswald auf der projectirten Badereiſe nach Helgoland
nicht mitzunehmen, und ſie hatte während der dreitägigen Viſitentour vielfach bei ſich überlegt, wie ſie, ohne ſich doch ſelbſt gar zu viel zu vergeben, dieſen Entſchluß ausführen könnte. Wie erfreut war ſie deshalb, als Oswald bei ihrer Zurückkunft(es war den Tag nach Melitta's Abreiſe) ihre leiſeſte Anſpielung, ob es ihm nicht lieber wäre, dieſe Zeit ganz zu ſeiner Erholung zu verwenden, begierig er⸗ griff; als er erklärte, während dieſer Zeit nicht einmal auf dem Schloſſe bleiben, ſondern eine Reiſe, vielleicht durch die Inſel, die er noch nicht kannte, vielleicht nach der Reſidenz zu ſeinen Freunden machen zu wollen. Anna⸗Maria freute ſich ſo ſehr über dieſes ganz uner⸗ wartete Entgegenkommen, daß ſie nicht einmal über die Motive, die Oswald dazu beſtimmt haben mochten, nachdachte, eben ſo wenig wie über ſein düſteres zerſtreutes Weſen, und über die Gleichgültigkeit,


