152 Problematiſche Naturen.
Die kleine Marguerite ſtand unter ſo vortrefflicher Aufſicht, daß Albert die weiſe Fürſorge, welche die Baronin getroffen hatte, nicht genug loben konnte.
„Ich wollte, ſie kämen nicht wieder,“ ſagte er zu der hübſchen Genferin, während ſie Arm in Arm im Garten umherſpazierten;„ich wollte, ſie kippten zwiſchen Helgoland und der Düne, wo es am tief⸗ ſten iſt, mit dem Boote um, und wir könnten hier, wie jetzt, herrlich und in Freuden leben bis an unſer ſeliges Ende. Was meinſt Du, kleine Marguerite, möchteſt Du wohl Frau Rittergutsbeſitzerin Timm von Grenwitz auf Grenwitz ſein? Das wäre doch famos! Dann wollte ich Dir Wagen und Pferde halten, ja, und auch eine Wirth⸗ ſchafterin, die Du eben ſo quälen könnteſt, wie Du jetzt gequält wirſt.“
„Ich bin ſchon zufrieden mit Wenigem, wenn ich es nur kann theilen mit Sie.“
„Sehr edel gedacht, aber beſſer iſt beſſer, und übrigens heißt es in dieſem Falle, nicht Sie, ſondern Ihnen, oder vielmehr Dir, denn bei uns zu Lande nennen ſich Leute, die ſich lieben,„Du“, beſonders wenn ſie die reſpectable Abſicht haben, ſich gelegentlich zu heirathen.“
„Und Sie mich wirklich wollen'eirathen? Ach, ich kann es glau⸗ ben kaum! Was will ein Mann, comme vous, dem die ganze Welt iſt offen, eirathen ein armes Mädchen, die nicht einmal iſt übſch.“
„Das iſt meine Sache. Und nebenbei biſt Du jedenfalls übſcher und reicher, als ich. Dreihundert Thaler—“
„Dreihundert fünfundzwanzig Thaler,“ ſagte Mademoiſelle Mar⸗ guerite eifrig.
„Deſto beſſer— das iſt immer ſchon etwas für den Anfang. Wenn ich mein baares Vermögen dazu rechne,“— Herr Timm griff in die Taſche und brachte einige Münzen zum Vorſchein—„haben wir dreihundert fünfundzwanzig Thaler, ſiebenzehn Silbergroſchen und acht Pfennige. Das iſt ein ganzes Kapital.“
„Wir uns dafür werden kaufen ein kleines Haus.“
„Verſteht ſich.“
„Ich werde geben Unterricht im Franzöſiſchen.
„Natürlich.“
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