Zweiter Band. 41
Rücken), einem Freunde unſeres Hauſes(Se. Ehrwürden legte die Hand auf's Herz) gegenüber mit dem ſchmerzlichen Geſtändniß der Wahrheit zurückhalten ſollte.— Sie wiſſen, Paſtor Jäger, daß der Baron unſre Geſellſchaft flieht, um die von allerlei ſonderbaren Men⸗ ſchen, denen man ſonſt gefliſſentlich ausweicht, mit Vorliebe aufzuſuchen, daß er die gottloſe Phraſe von den ſogenannten Rittern vom Geiſt beſtändig im Munde führt, und daß von ihm ausgezeichnet zu werden — namentlich, wenn dieſe Auszeichnung Jemanden trifft, deſſen geſell⸗ ſchaftliche Stellung fo himmelweit von der ſeinigen verſchieden iſt— beinahe ſo viel heißt, als ein verlorener Menſch ſein. Nun hat der Baron geſtern Abend Herrn Stein in einer ganz auffallenden, um nicht zu ſagen, anſtößigen Weiſe ausgezeichnet; er hat nicht nur ſein Möglichſtes gethan, ihn bei der Geſellſchaft zu introduciren, ſondern ihn vollkommen wie ſeines, wie unſers Gleichen behandelt, und um dieſem Benehmen, für das ich keinen Ausdruck ſuchen will, die Krone aufzuſetzen, ihn, als der Wagen von Grenwitz, der Herrn Stein von Barnewitz abholen ſollte— wir waren ſchon vor dem Souper auf⸗ gebrochen— nicht gleich zur Stelle war, in ſeinem eigenen Wagen bis vor unſer Hofthor mitgenommen, das heißt, ihm zu Gefallen einen Umweg von faſt einer Meile gemacht.“
„Aber, liebe Anna⸗Maria, das würde auch jeder Andre—“
„Verzeihe, lieber Grenwitz, das würde nicht jeder Andre gethan haben, und vor Allem würde es der Baron, deſſen ſchroffes, unge⸗ fälliges Weſen, ſelbſt den Standesgenoſſen gegenüber, ſprüchwörtlich iſt, nicht gethan haben, wenn er nicht in Herrn Stein auch ſo einen Ritter vom Geiſt, das heißt, einen Geſinnungsgenoſſen, einen Frei⸗ denker und Freiheitshelden, enfin einen unmoraliſchen Menſchen, um das Wort zu wiederholen, das vorhin Deinen Unwillen erregte, lieber Grenwitz und von dem Du mir jetzt zugeben wirſt, daß es leider das vaſſende iſt— gefunden zu haben glaubte.“
Die Baronin ſchwieg, in dem wohlthuenden Bewußtſein, ihre Anſicht ſiegreich verfochten zu haben; der Paſtor ſchwieg, die edle Gönnerin in dieſem Genuſſe nicht zu ſtören und der Baron ſchwieg, weil er ſchlechterdings nichts zu ſagen wußte. In dieſes dreifache Schweigen hinein ertönte vom Hausflur her, auf welchen die Thür


