Teil eines Werkes 
2. Band, Problematische Naturen : 2. Band (1866)
Entstehung
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38 Problematiſche Naturen.

Den Schüler Bergers, den Günſtling Primula's, den Löwen vom geſtrigen Junkerfeſt ſchlechtweg als einen„jungen Menſchen“ be⸗ zeichnen zu hören! der Paſtor traute ſeinen Ohren kaum. Er ſchoß über die runden Brillengläſer fort einen forſchenden Blick auf die Baronin, ob ihr Geſicht etwa einen Commentar zu der räthſelhaften Frage geben möchte. Da er ſich in dieſer Hoffnung getäuſcht ſah, und ſchlechterdings nicht wußte, was er antworten ſolle, griff er zu dem Mittel, zu welchem er in ſolchen kritiſchen Fällen ſtets ſeine Zu⸗ flucht nahm, das heißt: er zog die Schultern und die Augenbrauen möglichſt in die Höhe und die Mundwinkel möglichſt tief herunter, und überließ es dem indiscreten Frager, aus dieſer Miene zu machen, was er wollte und konnte.

„Sie zögern mit Ihrer Antwort!“ ſagte die Baronin;„ich gebe zu, es iſt nicht ganz leicht, über Herrn Stein in's Klare zu kommen. Er hat unleugbar manche ſchätzenswerthe Eigenſchaften. Seine Ma⸗ nieren ſind für einen Menſchen von ſo niedriger Extraction wirklich überraſchend gut; noch geſtern glaubte die Gräfin Grieben im Anfang, ich wollte ſie myſtificiren, als ich ihr ſagte: der junge Mann, der mit uns gekommen, ſei unſer Hauslehrer. Aber mit einer erträglichen Tournüre, mit gewandter Rede und dergleichen iſt es nur leider nicht gethan, und ich bin heute noch immer nicht mit mir darüber einig, ob wir an dem jungen Manne eine gute Acquiſition gemacht haben oder nicht.“

„Aber liebe Anna⸗Maria,“ ſagte der Baron;„warum ſollen wir uns nicht auf den Profeſſor Berger verlaſſen, der—“

„Lieber Grenwitz, ich berlaſſe mich auf Niemandem, als auf mich ſelbſt. Der Profeſſor kann ſich durch Stein's einnehmendes Weſen ſo gut haben beſtechen laſſen, wie Du und viele Andere; und geſetzt auch, ſeine wiſſenſchaftliche Bildung ſei wirklich aus⸗ reichend—“

„Nun, darüber dürfte wohl kein Zweifel obwalten, Gnädigſte,“ ſagte der Paſtor, der, wenn er Oswald, wie er jetzt wohl einſah, fallen laſſen mußte, ſich wenigſtens nach dieſer Seite ſichern wollte. „Es iſt durchaus nicht anzunehmen, daß der Profeſſor, dem Nie⸗

mand, man mag über ſeine— ich will nicht ſagen unchriſtliche,