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Das Skelet im Hause : Novelle / von Friedrich Spielhagen
Entstehung
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Der ſchöne Jüngling kreuzte, ſich anmutig neigend, die bei⸗ den Hände über der Bruſt und ſagte mit geſenkten Augen, die er aber ſofort wieder lächelnd aufſchlug:

Aus dem Stamme jener Asra, welche ſterben— wenn die Herrin nicht verzeiht.

Und das klang ſo treu und ſo drollig zugleich; aus Aenn⸗ chen's übervoller Bruſt brach ein heller Jubelruf, aus ihren Augen ſtürzten Thränen, daß ſie für ein paar Momente wie geblendet war. Und dann wußte ſie nicht, wie ſie aus dem Schrank und das Licht aus ihrer Hand gekommen; aber der „Jüngling lag jetzt zu ihren Füßen, ihre beiden Hände, die er in den ſeinen hielt, an ſeine Stirn und an ſeine Lippen drü⸗ ckend und immer wieder ſagend: Verzeihen Sie mir, liebe, gnädige Frau! Und bitten Sie auch für mich bei meinem gü⸗ tigen Herrn!

Und dann ſaß ſie auf einem Stuhl, weil ihr die Kniee zit⸗ terten, aber jetzt vor freudiger Erregung— und der Hans ſtand neben ihr und ſchwatzte und erzählte mit wunderbarer Zungen⸗ fertigkeit in ſeiner anmutigen, drollig⸗theatraliſchen Weiſe mit vielen Geſtikulationen und manchem kaum unterdrückten Lachen:

Wie ich in's Haus gekommen, gnädige Frau? Vor zehn Minuten; dicht hinter dem alten Eſel von Nebelow her, der vor Schrecken über einen kleinen Poſſen, den ich ihm geſpielt, die Thür ſperrangelweit offen ließ. Bequemer konnte ich es doch nicht haben? Schlich dann vorſichtig die Treppe hinauf und kam gerade nach oben, als die gnädige Frau mit der Uel⸗ zen nach den Fremdenzimmern ging. Da bin ich denn hier in's Zimmer geſchlüpft und habe hinter der Gardine verbor⸗ gen geſtanden, während der Kabelmann— iſt es nicht ein prächtiger alter Knabe?— Ihnen den Brief von dem Aſſeſſor brachte.