Druckschrift 
Das Skelet im Hause : Novelle / von Friedrich Spielhagen
Entstehung
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Zubehör, auch verſchiedene Paare hochſchäftiger Stiefel, offen⸗ bar für Lebrecht's nicht eben kleinen Fuß—

Gott zum Gruß!

Die Stimme ſchien über ihr, die eben in der Tiefe des Schrankes auf den Knieen zwiſchen den Sachen kramte;— eine ſanfte, vibrirende Stimme, wie der himmliſchen Eines— es konnte ja keines Menſchen Stimme ſein.

Das arme Aennchen faltete die Hände, wie ſie als Kind gethan, wenn ſie recht inbrünſtig zu ihrer Lieblingsheiligen ge⸗ fleht und das Strahlenbild ſchier leibhaftig vor ſich zu ſehen glaubte. Ihre zitternden Lippen murmelten ein halb vergeſſe⸗ nes Gebet.

Kann ich Ihnen helfen?

Die Stimme war hinter ihr: lauter, feſter— eines Men⸗ ſchen Stimme! Und ſie hatte alle Thüren hinter ſich verſchloſ⸗ ſen!—

Aennchen ſchrie nicht auf; nachdem, was ſie in den letzten Stunden, den letzten Minuten durchgemacht, war ſie gegen je⸗ den irdiſchen Schrecken gefeit. Sie griff nach dem Licht, das ſie neben ſich auf den Boden geſtellt, und, ſich erhebend, wandte ſie ſich.

Aber auch für eine furchtſamere Seele würde der rätſel⸗ hafte Anblick des jungen Mannes, der jetzt, von dem Lichte in ihrer hoch erhobenen Rechten hell beleuchtet, in der Oeffnung des Schrankes ſtand, nichts Grauſiges gehabt haben: ein bild⸗ ſchönes, von weichen, braunen Locken überwölbtes Jünglings⸗ geſicht, mit großen blauen, ſchelmiſch blickenden Augen, ein ſproſſendes dunkles Bärtchen auf der feinen zuckenden Ober⸗ lippe, unter der für einen Moment die weißen Zähne hervor⸗ blitzten.—

Hans Fliederbuſch! ſchrie Aennchen.