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den bisher unbeſcholtenen Ruf Ihres Herrn Gemahls, des Trä⸗ gers eines ſo angeſehenen, ich möchte ſagen: erlauchten Namens; durch die innige Freundſchaft, welche mich ſo viele Jahre hin⸗ durch an Ihr elterliches Haus gefeſſelt; durch die tiefe Bewun⸗ derung, die ich Ihnen perſönlich aus ehrfurchtsvoller Ferne ſtets gezollt. So wollen Sie denn geſtatten, daß ich mich in dem Moment, wo Ihr Herr Gemahl Ihnen die verehrten El⸗ tern in die Arme führt, in Ihren feſtlichen Kreis miſche, als ein ſtiller, bewegter Gaſt, der noch ein wenig zurückbleiben wird, nachdem Ihre ahnungsloſen Eltern ſich zur Ruhe begeben.
„Gnädige Frau, ich ſage kein Wort für mich. Sich hier entſchuldigen wollen, würde ſich anſchuldigen heißen. Es iſt mein Schickſal, Ihnen zu mißfallen; aber eben, weil es mein Schickſal iſt, muß ich es tragen. Es giebt ein Gefühl, das über alle anderen Empfindungen ſteht: das iſt das Gefühl der Pflicht.
„In tiefer Ehrfurcht
Oskar von Frank.“
Das Gefühl der Pflicht! murmelte Aennchen; ich will von dieſem Teufel lernen!
Der Schlüſſel brannte nicht mehr in ihrer Hand; ſie hielt ihn feſt in der Rechten, in der Linken das Licht, welches ſie von dem Sims des Kamins genommen. So ſtürzte ſie nach jener Ecke des weiten Gemaches, wo die um mehrere Fuß vorſprin⸗ gende ellendicke Mauer den Schrank bergen mußte. Auch hatte der Doktor ja vorhin nach dieſer Stelle gewieſen. Dennoch konnte ſie, hinauf⸗ und hinableuchtend, in der mattglänzenden Tapete von gepreßtem dunkelgelben Leder das Schlüſſelloch nicht finden. Die Sekunden wurden ihr zu Ewigkeiten. O mein Gott! mein Gott! ſtöhnte ſie; wo? wo? o mein Gott, hilf mir!


