33
haftig, gnädige Frau, das fiel mir zuerſt gar nicht ein, und es iſt ja auch eine Ewigkeit von dem Herrn ſeinem Zimmer, und ich war mittlerweile ſchon ganz hinten in dem Gang von der Küche hinter den Fremdenzimmern vorbei, wo ich ſchlafe; und das wird ja wol immer lauter, und ich faſſe mir ein Herz und kehre wieder um, und richtig: es kommt aus dem Herrn ſeinem Zimmer, erſt des Herrn Stimme und dann Herrn Fliederbuſch ſeine und dann beide zugleich, wie wenn ſich Zwei mordsmäßig miteinander ſtreiten. Na, gnädige Frau, das war ja denn nun ſehr merkwürdig, weil ich noch nie ein böſes Wort von dem Herrn gegen Herrn Fliederbuſch gehört hatte, und daß der Herr Fliederbuſch ſo gegen den Herrn aufzumucken wagen durfte — das hätte ich nimmermehr für möglich gehalten. Und aus ſchierer Verwunderung, gnädige Frau— denn ich weiß, was ſich für einen Dienſtboten ſchickt, gnädige Frau, und eine Haus⸗ hälterin ſoll den Dienſtboten mit gutem Beiſpiele vorangehen, und der Horcher an der Wand hört ſeine eigne Schand'— aber zu horchen brauchte man auch gar nicht, und Kabelmann — was unſer Ratsdiener iſt, gnädige Frau— der iſt gerade durch das Gäßchen gegangen und will es auch gehört haben, obgleich gar kein Fenſter nach dem Gäßchen heraus iſt, und die Wände ſind ja ellendick. Na, das mag nun ſein, wenn er's beſchwören will; aber die Worte, gnädige Frau, die kann er nicht beſchwören, ſage ich, denn ich ſtand dicht an der Thür und habe auch nichts gehört, was ich beſchwören könnte, als einmal, wie der Herr ſchrie: Du giebſt ihn mir wieder! und Herr Fliederbuſch dagegen: Nein! ich gebe ihn nicht! Und dann war es, gnädige Frau, als wenn ſie ſich— Gott verzeih' mir die Sünde!— an der Kehle hätten, und dabei mochten ſie an den Tiſch geſtoßen haben, der auch hernach umgefallen war mit allen Gläſern und Flaſchen, die darauf ſtanden; und Fr. Spielhagen, Skelet im Hauſe.


