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Das Skelet im Hause : Novelle / von Friedrich Spielhagen
Entstehung
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Aennchen war, während ſie in kleinen Zügen den vortreff⸗ lichen Kaffee trank, mit ihren Gedanken noch immer bei der unglücklichen jungen Frau, die ſich ertränkt hatte, Niemand wußte warum; und hatte keine Ahnung, wie Frau Uelzen von dieſem tragiſchen Gegenſtande auf das Dienſtbotenkapitel ge⸗ kommen war; ſie wollte ſich aber ihre Unachtſamkeit nicht mer⸗ ken laſſen und ſagte deshalb auf gut Glück: Weshalb ſollten auch Sie daran ſchuld ſein?

Nicht wahr? ſagte Frau Uelzen eifrig. Weshalb ſollte ich daran ſchuld ſein? Ich kann doch nichts dafür, daß das Haus älter iſt als der Schwedenwall vor dem Sundiner Thor? und daß ſie ſagen: wenn alle die Menſchen noch lebten, die hier in dieſem Hauſe geboren wären, müßten wir Anderen zur Stadt hinaus? Na, gnädige Frau, wenn ſich nun ſo ein junges Ding, das hier in's Haus kommt, fürchtet und nach ſechs Wochen wieder weg will— das iſt doch am Ende ganz natürlich; denn der alte Nebelow, der ſchon bei dem Herrn Senator ſelig an die dreißig Jahre und bei dem jungen Herrn auch ſchon fünf Jahre geweſen iſt: was der Alles gehört und geſehen haben will, gnädige Frau, das glaubt man nicht; und daß, wenn kein Menſch im Zimmer iſt, es ganz deutlich athmet, als ob Eines dicht dabei im Bette ſchliefe— das iſt nun ſicher, und ſelbſt die Dörthe muß es zugeben, was unſere neue Köchin iſt, gnä⸗ dige Frau, die wir erſt ſeit ſechs Wochen haben, und ich weiß noch nicht, ob viel daran iſt, denn ſie lacht den ganzen Tag; aber mit der alten ging es nicht mehr, die ſprach zuletzt kaum noch von was Anderem und wäre ja wol der gnädigen Frau gleich am erſten Abend damit unter die Augen getreten; und die beiden Hausmädchen ſagten, dann ſollte ich ihnen nur auch gleich ihren Schein geben, denn verſchwinden könne kein Menſch und fliegen auch nicht, und das ſagten ſie in der ganzen Stadt;