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blühte, die unabſehbaren Felder in goldenen Wellen wogten und zu dem blauen, mit großen weißen Wolken beſtellten Him⸗ mel die Lerchen trillernd aufſtiegen; aber die graue verregnete Wirklichkeit löſchte die bunten Phantaſiebilder rückſichtslos aus. Denn nun hatte es auch zu regnen begonnen, und in dem kleinen offenen zweiſitzigen Wagen— Holſteiner hatte ihn Lebrecht ge⸗ nannt— war man dem Unwetter völlig preisgegeben.
Und das würde ſie Alles gern ertragen haben, und es hätte noch ein gut Theil ſchlimmer kommen können— trotzdem ſie heute bei ihrer körperlichen Abſpannung die Anſtrengung und das Ungemach wirklich ſchwerer ertrug als ſonſt wol— wäre Lebrecht heiterer geweſen, hätte er auf ſeiner Heimaterde wenigſtens das gelaſſene, feſt in ſich ruhende Weſen wieder⸗ gefunden, welches ſie ſo bezauberte und in ihren jungen Augen den blonden, hochgewachſenen Norddeutſchen wie einen König unter der beweglichen Schaar ihrer Höflinge erſcheinen ließ. Das war nun leider keineswegs der Fall. Wie er vorhin die Beſchwerden der Eiſenbahn für unerträglich erklärt? ſo grollte er jetzt mit der Situation, die er doch ſelbſt herbeigeführt, als wenn fremder Unverſtand oder Eigenſinn ihm dieſelbe aufge⸗ nötigt. Die Reiſemütze tief in die Stirn gezogen, den Kragen des Ueberziehers hoch geſchlagen, ſaß er in ſeine Ecke gelehnt, wie Jemand, der über eine Widerwärtigkeit, die er nicht än⸗ dern kann, nun wenigſtens kein Wort weiter verlieren will. Und dieſe Stummheit ängſtigte ſie viel mehr als ſeine vorher⸗ gehende Heftigkeit. Schließlich wagte auch ſie nicht mehr zu ſprechen und hatte nun reichlich Zeit, auf das Knarren des Lederzeugs am Wagen zu hören, auf das Kreiſchen der Axen, das Knirſchen der Räder, das Klappern der Pferdehufe, die langgezogenen Töne des Windes, der über die naſſen Felder daherrauſchte und die ſauſenden Pappeln ſeitwärts bog. O
Fr. Spielhagen, Skelet im Hauſe. 2


