—
3 Abends, der mit meereskräftigem Athem durch die alten Bäume blies, daß die Zweige knackten und knarrten und die dürren Blätter raſchelnd gegen die Scheiben flogen.
Und er dachte an jene unglückliche Spätſommernacht und an die wahnſinnige Jagd durch die Zimmer bis an dieſes Fenſter—
Er hatte es aufgeriſſen, kaum wiſſend, daß er es gethan, die kalte feuchte Luft, die ihm entgegen ſchlug und ſeine heiße Stirn kühlte, mit gierigen Zügen einſaugend.
Lieber Lebrecht, es zieht ſchrecklich, ſagte Aennchen vom Ka⸗ min her.
Ich bitte um Entſchuldigung.
Er ſchloß das Fenſter, ließ die Vorhänge fallen und trat in das Zimmer zurück. Seine Frau hatte ſich nicht aus ihrer Stellung gerührt; dieſe gänzliche Apathie der ſonſt ſo Ela⸗ ſtiſchen, vom Morgen bis zum Abend Luſtigen, ja Ausgelaſſenen, Uebermütigen beleidigte ihn in ſeiner verzweifelten Stimmung.
Du biſt müde, Aennchen, ſagte er trocken; Du ſollteſt zu Bett gehen.
Ich bin gar nicht müde, erwiderte ſie; ich bin nur ein bis⸗ chen abgeſpannt; ich glaube, es iſt von der langen Fahrt und dem ſcharfen Wind, der uns fortwährend in's Geſicht wehte.
Für den letzteren konnte ich nichts, Aennchen; dafür ſind wir eben in Pommern und an der See, die nichts von Euren lauen Rheinlüften weiß; und was die Fahrt ſelbſt betrifft— es thut mir nachträglich leid genug; ich habe es gut gemeint; das ſollteſt Du wenigſtens anerkennen.
Aennchen richtete ſich in ihrem Fauteuil auf: es war das erſte Mal, daß ſie aus dem Munde ihres Lebrecht einen ſo kalten, ja harten Ton vernahm; ſie blickte ihn mit großen, mehr verwunderten als erſchrockenen Augen an.


