Druckschrift 
Von Tag zu Tag : Gegenstück zu den "Pariser Mysterien" von Eugen Sue : vier Theile / von Frederic Soulié ; nach dem Französischen von August Zoller
Entstehung
[Giessen] [2025]
Einzelbild herunterladen

dem Arzt, Silveſtre hörte gefällig die Scherze des Herrn Simon, von denen er durchaus nichts verſtand. Endlich erſchien der letzte Gang, und mit dieſem ein rieſiger Kuchen auf einer ungeheuern Platte, denn ich habe ver⸗ geſſen, Ihnen zu ſagen, daß geſtern das Dreikönigsfeſt war, und man ſollte bei Herrn Simon die Königslooſe ziehen.

Als man zu dieſer erhabenen Operation ſchritt, concentrirten ſich die um die Tafel her zerſtrenten Ge⸗ ſpräche insgeſammt auf den herrlichen Kuchen. Wer wird die Bohne haben? Jeder wünſcht ſie, jeder hofft ſie zu bekommen, jeder macht prunkende Verſprechungen, wenn die Königswürde ihm zufallen ſollte, als handelte es ſich um ein wirkliches Königthum. Endlich ſind die Stücke vertheilt, und auf ein gegebenes Zeichen beginnt Jeder das ihm zugefallene Stück zu durchklauben, um die Königs⸗Bohne zu entdecken; Niemand hat ſie, Nie⸗ mand findet ſie, und man fängt ſchon an, einige von den großen Verſprechern der Geſellſchaft zu beſchuldigen, ſie haben die Bohne unterſchlagen, um nicht Wort hal⸗ ten zu müſſen, da ſagt eine matte, ſchwache Stimme ganz leiſe:

Ich habe ſie. 3

War es nur ein Zufall? War es ein Wunſch von Madame Simon, die dieſen Vorzug ihrer Mündel be⸗ ſtimmt hatte? Wir wollen es dahin geſtellt ſeyn laſſen Sabine hatte die Bohne. Und plötlich vernimmt man den tauſendfachen Ruf um die Tafel:

Es iſt Sabine! es iſt Fräulein Durand! Es lebe Sabine! es lebe Fräulein Durand!

Und Alle mit einer Stimme:

Es lebe die Königin!

Da ſchrie Herr Simon mit ſeiner Audienzſtimme, mit jener Stimme, die er erſchallen ließ, wenn er das Gemurmel zahlreicher Zuhörer zu beherrſchen hatte: Aber dieſe Königin braucht einen König!