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bine den Brief vorzuleſen, aber das war nicht die Mei⸗
nung des Arztes.
„Laſſen Sie ſie in ihrer Schwäche entſchlummern,“ ſprach er.„Bald, eher vielleicht, als Sie glauben,
wird das Bewußtſeyn ihres Schmerzes zurückkehren.
Dann wenden wir das entſcheidende Mittel an.“
„Welches Mittel?“ ſagte Herr Simon.
„Nun denn! den Brief des jungen Mannes.“
Dieſer Doktor iſt ein herrlicher Menſch; Sie ſollen ihn bei einer andern Gelegenheit kennen lernen.
Dies ereignete ſich geſtern am fünften Januar gegen neun Uhr Morgens. Ueber das Schickſal ſeiner Mündel beruhigt, entfernte ſich Herr Simon und lief zu Prosny. Silveſtre war wirklich am Abend vorher zurück⸗ gekommen, und ſehr frühe am Morgen wieder ausgegan⸗ gen. Herr Simon ſtieg zu Fräulein von Prosny hinauf; doch er konnte von der Alten nichts in Erfahrung bringen, als daß ihr Neffe ihr geſagt habe, da ſie durch die Großmuth von Fräulein Durand vor jeder Noth ge⸗ ſchützt ſey, ſo gedenke er eine große Reiſe zu machen⸗
„Aber wann geht er denn ah?“ fragte Herr Simon.
„Ich weiß nicht,“ antwortete Fräulein von Prosny.
„Er muß doch zurückkommen, um Abſchied zu nehmen?“
„Wie? Vielleicht, vielleicht.“
„Aber halt,“ erwiederte die Alte, ſich von einem Gedanken losreißend, der alle andern auszuſchließen ſchien.„Ja, es ſcheint mir, als habe er von mir Ab⸗ ſchied genommen; ja, ja, er hat zu mir geſagt:„„Wenn
N
ſo weiter.““ Nun denn, er hat mir Alles geſagt, was man in einem ſolchen Falle zu ſagen pflegt.“
„Und Sie haben ſich nicht erkundigt, wohin er geht?“ rief Herr Simon entrüſtet.
„Sieh doch,“ ſprach Fräulein von Prosny den Sachwalter anſchauend,„wiſſen Sie die Adreſſe von Herrn
ich Sie nicht wieder ſehe, ſo grollen Sie mir nicht, und


