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Von Tag zu Tag : Gegenstück zu den "Pariser Mysterien" von Eugen Sue : vier Theile / von Frederic Soulié ; nach dem Französischen von August Zoller
Entstehung
[Giessen] [2025]
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313 aufzuladen, die dieſe in dem Herzen des Mädchens erzengt hatte? Aber Herr Simon hatte ohne die Eitelkeit gerech⸗ net; und der Umſtand, daß er eine kleine Perſon, wie Fräulein Durand, ſeiner Liebe gewürdigt und ſie von dieſer Ehre und dieſem Glück nicht entzückt gefunden hatte, war für den Marquis Anlaß genug zur höchſten Erbitterung geweſen. Daher der unverſchämte Brief an Herrn Simon, daher vielleicht auch der Entſchluß, Fräulein Aurelie von S. zu heirathen..

Wie dem ſeyn mag, Herr Simon fand, daß der Herr Marquis zu weit gegangen war, und er beſchloß, ihm dies zu ſagen. Andererſeits erſah er aus der Antwort, die er empfangen, daß der Brief, den er an der Thüre Silve⸗ ſtre's hatte abgeben laſſen, an ſeine Adreſſe gelangt war; folglich kanute man entweder den Aufenthaltsort von Herrn von Prosny, oder er war in ſeine Wohnung zurück⸗ gekehrt.

Indeſſen wurde der Zuſtand Sabinens immer bedenk⸗ licher. Fortwährend in ihrem Stillſchweigen verharrend, keine Pflege, kein Mittel von ſich weiſend, das man ihr bot, als fühlte ſie die Fruchtloſigkeit, als wollte ſie ſich die widrigen Bitten vom Leibe halten, mit denen man ſie dringlich zur Annahme zu bewegen ſuchen würde, war Sabine von einem heftigen Fieber ergriffen; der Glanz ihrer Augen, die brennende Hitze ihrer Hände, die Lebhaf⸗ tigkeit ihres Pulſes zeigten nicht allein dieſen Krankheits⸗ zuſtand an. Krampfhaftes Lächeln, raſche Worte mit leiſer Stimme ausgeſprochen zeugten davon, daß die moraliſche Störung noch viel weiter gediehen war, als die phyſiſche.

Man hatte den Arzt gerufen, und ihm im Vertrauen die Urſachen dieſes heftigen Anfalls mitgetheilt, und da man vorſchlug, Sabine den Brief Silveſtre's leſen zu laſſen, um den Verſuch zu machen, dieſe düſtere, ſtumme Verzweiflung zu beſänftigen, ſo erſchreckte der Doktor Madame Simon nicht wenig durch die Worte: