306 wie ich ihn zu dem Feſte meines Feſtes eingeladen hatte. Ich muß Dir Alles ſagen, ich habe bange wegen deſſen, was ich gethan, und bin doch glücklich darüber. Der Gedanke, ihn wiederzuſehen, ihn in meinem Familien⸗ kreiſe, vor allen meinen Freundinnen zu ſehen, dieſer Ge⸗ danke entzückt mich, erfreut mich und tröſtet mich. Ich kann mich nicht von demſelben trennen, er erſcheint mir wie ein Unterpfand von Glück und Sicherheit für meine ganze Zukunft. Wie ſoll ich Dir das ſagen? Aber es kommt mir vor, wenn mich je eine Beleidigung treffen, verfolgen würde, wenn mich je ein Unglück bedrohen ſollte, ſo dürfte ich mich nur an dieſen Mann mit dem edeln Herzen, mit dem ruhigen, ſichern Blick anſchließen, und wenn er ſeine Hand über mein Haupt ausſtreckte, ſo wäre es vor jeder Verletzung geſchützt. Was läßt mich ihn in dieſem Lichte betrachten? Was iſt er? Was hat er gethan? Noch nichts! aber er trägt Alles das in ſich, was die ſtarken und erhabenen Seelen bildet; und begreifſt Du, daß dieſer groß⸗ artige Geiſt, dieſer in ſeiner Reſignation ſo kräftige Charak⸗ ter ſich für immer in der Armuth abnutzt und verliert, in die ihn die Meinigen geſtürzt haben? Und begreifſt Du, daß möglicherweiſe ein Wort von mir meinen Traum ver⸗ wirklichen würde, den ich Dir ganz laut ausſpreche, den Traum, den er vielleicht ganz leiſe erſtickt? Begreifſt Du, daß ich möglicherweiſe glücklich und er groß werden könnte? Iſt es dieſer Gedanke, iſt es dieſe Hoffnung, die mich be⸗ zaubert, die mich verblendet, die mich an ihn glauben macht? Oder geſchieht es vielleicht, weil ich an ihn glaube, daß ich meine Zukunft in dieſem Lichte ſehe? Von welcher Seite auch dieſer Glaube herrühren mag, ich kann nicht von Glück träumen, ohne meine Zukunft mit der ſeinigen verbunden zu ſehen. Er wäre meine Aus⸗ ſöhnung mit der Welt, er wäre meine Schutzwehr gegen die Vergangenheit; was er Gutes, Großes, Erhabenes thun würde, müßte mir als ein Titel auf Vergebung zu⸗
Druckschrift
Von Tag zu Tag : Gegenstück zu den "Pariser Mysterien" von Eugen Sue : vier Theile / von Frederic Soulié ; nach dem Französischen von August Zoller
Entstehung
[Giessen] [2025]
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