301 veſtre das Haus verlaſſen hat, ohne zu ſagen, wohin er gehen würde, und nun finde ich Euch ganz in Thränen: was iſt geſchehen?“ Madame Simon wußte von der Unterredung von Sabine und Silveſtre nichts, als ein paar Worte, vie ihr ihre Mündel geſagt hatte; ſie näherte ſich ihrem Gatten und ſprach ganz leiſe: „Es ſcheint, er hat ihr ſeine Liebe geſtanden, aber v ſie behauptet, er habe ihre Hand ausgeſchlagen.“ Herr Simon rief ſogleich, wie ſeine Frau gerufen 1 hatte: „Das iſt unmöglich!“
Sabine erhob die Augen langſam zu ihrem Vormund. Das bittere Lächeln auf ihren Lippen war eine beredtere Er⸗ wiederung, als alle Worte, die ſie hätte ſagen können. Vor
dieſem verzweifelten Ausdruck hatte Herr Simon nicht den Muth, leere Gefühlsworte auszukramen, leere Palliative, die
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das Uebel nur aufſtacheln, welches ſie zu beſänftigen ſuchen. Er antwortete weder Sabinen noch ſeiner Frau; er. murmelte nur die Worte:„ „Ich habe mich alſo getäuſcht? Es iſt alſo weder Ehre noch Seelengröße in dieſem Menſchen zu ſuchen!
Es wäre alſo auch ein Schwächling.“
Sabine ſchien nicht gehört zu haben, und vielleicht hatte ſie auch, ganz nur in ihrem Innern beſchäftigt, wirklich die Reflerionen ihres Vormunds nicht vernom⸗ men. Obgleich Madame Simon Silveſtre nicht für ſo ſchuldig hielt, als er in den Augen ihres Gatten erſchien, obgleich ſie vermuthete, es habe zwiſchen Herrn von Prosny und Sabine eines von den unſeligen Miß⸗ verſtändniſſen ſtattgefunden, welche die Exiſtenz oft viel grauſamer vernichten, als die unangenehmſten Ereig⸗ niſſe, ſo wagte ſie doch nicht, den Menſchen zu verthei⸗ digen, der ſo viel Schmerzen bereitet hatte, und ſie dachte nicht daran, ihren Gatten zurückzuhalten, als er mit den Worten wegging:


