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Von Tag zu Tag : Gegenstück zu den "Pariser Mysterien" von Eugen Sue : vier Theile / von Frederic Soulié ; nach dem Französischen von August Zoller
Entstehung
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Dingen. Endlich trat auch Sabine ein. Sie war ſo ſchön, daß man hätte glauben ſollen, man habe ſie noch nie ge⸗ ſehen. Eine ſanfte Bläſſe milderte die ernſte Reinheit in dieſem ſtrengen Antlitz. Ein ſchüchternes Schmachten ver⸗ ſchleierte den Glanz ihres ſtolzen Blickes, und wenn ſie ſprach, ſo verſetzte ihre bewegte Stimme Silveſtre in die Unruhe, die ſie ſelbſt empfand. Indeſſen erkundigte ſie ſich kaum nach ſeinem Befinden. Sie nahm an der Seite ihrer Vormünderin Platz, und ſchien ſich, mit niedergeſchla⸗ genen Augen, zu einer feierlichen Prüfung zu ſammeln.

Silveſtre ſchaute ſie mit furchtſamem Staunen an; ohne begreifen zu können, was im Werke war, ſagte ihm doch ein Vorgefühl, daß in ihrem Eintritt für ihn ein ungeheures Ereigniß liege. Aber er war noch mehr über⸗ raſcht, als ein Biener Madame Simon benachrichtigte, ihr Gatte laſſe ſie zu ſich bitten. Sabine nahm, tief erſchüt⸗ tert, die Hand ihrer Vormünderin, um ſie zurückzuhalten, aber dieſe gab ihr ein Zeichen, zu bleiben und ſprach:

„Ich werde bald zurückkommen.“

Sabine und Silveſtre blieben alſo allein. Es war alſo der Wille des Herrn Simon geweſen, daß Fräulein Durand und Herr von Prosny ſich gegenſeitig erklären ſollten. Hatte Sabine über ihre Vergangenheit zu er⸗ röthen, hatte Silveſtre etwas von der Würde ſeiner Er⸗ innerungen aufzugeben, ſo ſollte dieſe doppelte Demü⸗ thigung unter Benen bleiben, die ſich Alles vergeben, und ſich gegenſeitig um Verzeihung bitten müßten. Aber Sabine, welche dieſe Zuſammenkunft mit Freuden ange⸗ nommen, welche ſich mit der Begeiſterung eines Herzens, das die Sicherheit des Erfolgs in ſich trägt, darauf vor⸗ bereitet hatte, Sabine verharrte zögernd und ſchweigend bei Silveſtre. Wie reizend wäre Sabine für einen Mann geweſen, der die Leidenſchaften erfahren und vor ſich in Bewegung geſehen hätte, wie ſie da ſaß, zitternd, un⸗ ruhig, demüthig, bemüht, die glückliche Furcht, die un⸗ befannte Schüchternheit zu bewältigen, die ſich ihrer be⸗ mächtigt hatte! Aber Silveſtre konnte ſie nicht ſo an⸗