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Von Tag zu Tag : Gegenstück zu den "Pariser Mysterien" von Eugen Sue : vier Theile / von Frederic Soulié ; nach dem Französischen von August Zoller
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[Giessen] [2025]
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aber Sabinens Freundinnen geſtatteten es nicht, daß ſie ſich einem längeren Nachdenken überließ. Sie machten ihr ſo viele Complimente über ihr Malertalent und ſo viele Verſprechungen, die Reichthümer ihres Albums zu vermehren, daß ſie die Wirkung ihrer Aquarelle darüber vergaß.

Indeſſen erſcholl die Verkündigung, das Abendbrod ſey aufgetragen. Man begab ſich in den Speiſeſaal; Sabine bemerkte, daß Silveſtre der Einzige war, der ſich nicht beeilte, einer von ihren jungen Freundinnen den Arm zu bieten; er blieb im Gegentheil im Hinter⸗ grund, und da Sabine ihrer Seits, als Mündel von Herrn Simon, die ganze Geſellſchaft vor ſich eintreten ließ, ſo fanden ſie ſich in Folge hievon allein. Sabine benützte die traurige Herrſchaft, welche die Frauen ihrer Schwäche zu verdanken haben, die Herrſchaft, welche die Männer zwingt, für ſie zu thun, was ſie nie für irgend einen Mann der Welt thun würden. Sie machte eine kleine Bewegung mit den Schultern, welche beſagen wollte:Niemand hat an mich gedacht, ſtellte ſich ſo⸗ dann, als bemerkte ſie plötzlich Herrn von Prosny, der immer noch abwärts ſtand, und ging mit raſchen Schrit⸗ ten in den Speiſeſaal, indem ſie gleichſam wie betreten zu dem Zögernden ſagte:

Ah! verzeihen Sie, mein Herr!

Die Frauen ſind unbarmherzig. Dieſe kleine Be⸗ wegung der Schultern, dieſe einfachen Worte ſollten dem Herrn andeuten:Sie ſind ein Mann von ſchlech⸗ ter Erziehung, Sie haben nicht einmal die gewöhnliche Höflichkeit gehabt, mir den Arm anzubieten. Und warum dieſes böſe Compliment? Weil dieſer junge Mann mit verdrießlicher Miene eine mittelmäßige Zeich⸗ nung von Fräulein Sabine Durand betrachtet hatte. Denn dieſes ſchöne, reiche Mädchen, das, wie Ma⸗ dame Simon ſagte, zum Erhabenſten in der Geſellſchaft gelangen kounte, hatte keinen edleren Namen, als den eines Fräulein Durand. Doch dieſer ſo gewöhnliche