die man ihm bekennt, während der Sachwalters⸗Schreiber mit voller Gewalt in die tiefſten Geheimniſſe eindringt; er ſieht Menſchen in der abſcheulichen Nacktheit des ge⸗ ſtempelten Papiers; er hält die gehäſſigſten Leidenſchaften
in ſeiner Hand, und muß ſie mäßigen, lenken, als ein
König beherrſchen. Er hat allerdings nicht nöthig, geiſt⸗
greich zu ſeyn, aber da ihm das Geſetz das Plaidiren ver⸗ ℳ bietet, ſo iſt er des Vortheils theilhaftig, kein Advokat
Pzu ſeyn, was ihm für mehrere Tugenden erſten Ranges
angerechnet werden muß.“
Nachdem Herr Simon dieſe Tirade heiter vollendet hatte, ſetzte er ſich zum Feuer, während Sabine erwie Iderte:
„Wenn Sie nicht im Juſtizpalaſte plaidiren, ſo ent⸗ ſchädigen Sie ſich dafür in Ihren Salons, wie ich ſehe.“ „Ah, Sabine! wenn Du mich Advokat nennſt, ſo werde ich Dir eine derbe Beleidigung ſagen.“ „Nun, ſagen Sie mir, iſt der Sachwalters⸗Schrei⸗ ber höflich?“ ſprach Sabine, indem gie ſich ihrem Vor⸗ mund näherte. he!“ erwiederte der Vormund,„es gibt welche, die es ſind, ſo weit es ein abgetragener Rock und fünf⸗ zig Franken monatlich zulaſſen.“ „Und bieſe armſelige Höflichkeit verſchwindet ſogleich, wenn der Schreiber Patron geworden iſt?“ Mzi Sa⸗ bine ſich zierend. „Hm! was habe ich gethan, ich bitte?“ „Sie vergeſſen, daß Sie mich heute noch nicht ge⸗ ſehen haben!“ „Und Dich noch nicht umarmt,“ ſprach Herr Simon aufſtehend. Sabine entſchlüpfte ihm, flüchtete ſich an das Ende des Saals und ze „Es iſt zu ſpät „Willſt Du, daß Dich eh um Dir einen Kuß zu rauben,“ ſprach Herr Simon wieder nieder⸗


