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12 Du einen unbegüterten Ruhm, ſo könnteſt Du ihn he⸗ reichern; auf welche Seite ſich auch Dein Herz wenden mag, Du haſt keine Weigerung zu befürchten, und es bangt Dir, nicht glücklich zu werden?“
„Ja,“ entgegnete Sabine,„ich fürchte, nicht geliebt zu werden, und zwar aus allen den Gründen, aus denen Sie mich mein Glück ſo leicht finden laſſen., Man wird mich lieben, weil ich vielleicht hübſch bin, und das kann nur die Eitelkeit in Anſpruch nehmen. Man wird mich vor allen Dingen lieben, weil ich reich bin, und das iſt ganz abſcheulich.“ S
Madame Simon wollte Einwendungen machen, aber Sabine fuhr lebhaft fort:
„O! ich bin nicht ſo thöricht, wie Sie wohl glau⸗ ben mögen; ſeitdem ich vor ſechs Monaten meine Koſt⸗ ſchule verlaſſen habe, während dieſes ganzen Sommers, den ich bei Ihnen auf dem Lande zubrachte, hat man mich angebetet, hat man mir zu gefallen geſucht, und ich geſtehe, daß ich, ſo oft wir im Salon waren, und ich meine armen Freundinnen meinetwegen verlaſſen ſah, die ich beſtändig von allen Ihren Schützlingen umgeben war, mich an dem Triumphe ergötzte; aber wenn ich allein in mein Zimmer zurückkehrte, ſo grollte ich über meine Freude, wie über eine ſchlechte Handlung; ja, ich fühlte mich durch meinen Triumph erniedrigt. Es kam mir vor, als ſchmeichelte man mir zu viel, um mich zu lieben, und ich fragte mich ſodann, welcher meinen hun⸗ derttauſend Franken man am beſten den Hof gemacht hätte.“
„O!“ verſetzte Madame Simon,„es gibt Männer, bei denen Deine hunderttäuſend Livres Rente nicht mehr Gewicht in die Wagſchale legen, als dies bei meinenzweimal⸗ hunderttauſend Franken Mitgift bei Herrn Simon, der vier⸗ mal reicher war, als ich, der Fall geweſen iſt. So hat zum Beiſpiel Herr von Belleſtar, der zehn bis zwölf Millionen Vermögen beſitzt, beinahe das Recht, Dich
als arm zu betrachten, und doch gehört er zu denen, die Dich anbeten.“


