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Von Tag zu Tag : Gegenstück zu den "Pariser Mysterien" von Eugen Sue : vier Theile / von Frederic Soulié ; nach dem Französischen von August Zoller
Entstehung
[Giessen] [2025]
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Sabine wandte ſich ab, ohne zu antworten und Madame Simon fuhr fort:

Sieh doch, was haſt Du denn?

Nichts, meine theuere Freundin, nichts. Ich leide.. und der Gedanke, mich heute Abend unterhal⸗ ten zu müſſen, macht mich in den Tod betrübt.

Aber, was fehlt Dir, was verlangſt Du?

Nichts.

Nun, ſey doch ein wenig vernünftig.

Kann man vernünftig ſeyn bei dem, was man wider Willen fühlt?

Ach! rief Madame Simon,das iſt eine von jenen Phraſen, welche Herr Simon haßt, und worüber er, hörte er es, auf eine derbe Weiſe mit Dir hadern

würde.

Mein Vormund iſt vortrefflich gegen mich, ſprach Sabine,ſo gut, wie Sie, und das will viel heißen; aber er verſteht ſich nicht auf Weiberherzen.

Es ergoß ſich ein leichtes boshaftes Lächeln über Madame Simon, das ſie um zehn Jahre verjüngte, und

ſie entgegnete:

Das iſt ein Punkt, dem ich nicht beipflichten kann, mein liebes Kind. Nach meinem Sinne verſteht Herr Simon das Herz der Weiber ſehr gut. Ich bin Weib und habe ihn geliebt. Ich zählte achtzehn Jahre, als dies anfing, ich zähle ſechsunddreißig, und es währt noch fort.

Wahrhaftig! rief Sabine mit ſo naivem Staunen in ihrer Miene, daß ſich die Unbeſcheidenheit der Worte därunter verbarg,wahrhaftig, Sie haben ihn aus Liebe geliebt?

Ja, verſetzte Madame Simon, lächelnd in einer reizenden Erinnerung,ich habe ihn geliebt mit Allem, was eine wahre Leidenſchaft bildet. Ich ſchlief nicht; ſollte er am Abend zu meinem Vater kommen, ſo erwartete ich ihn vom Morgen an. Kam er ſodann, ſo ſchaute ich ihn nicht an, um meine Frende nicht zu verrathen. Sprach

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