von jener in Unruhe gebrachten Zärtlichkeit lag, woran ſich die Mutter beim erſten Worte erkennen läßt.
„Ich?“ erwiederte Sabine erröthend, daß man ſie auf dieſe Weiſe überraſcht hatte;„nein, wahrhaftig nicht.“
„Wovon ſprachſt Du denn!“
„Von einer Stelle in dieſem Contretanz, die ich nicht im Takte ſpielen kann, und die ich bereits zehn⸗ mal angefangen habe.“
„Das war es nicht, mein Kind;“ entgegnete Ma⸗ dame Simon, den Kopf ſchüttelnd;„Du ſpielſt ausge⸗ zeichnet dieſe Muſik und noch viel ſchwierigere Stücke.. Unſere Geſellſchaft langweilt Dich, unſer Haus kommt Dir traurig vor.“
„Meine theure Freundin,“ ſagte das Fräulein auf⸗ ſpringend und auf Madame Simon zulaufend—„Sie halten mich alſo für undankbar, indem Sie mir ſolche Gefühle unterlegen?“
„Nein, Sabine, nein;“ verſetzte Madame Simon, „ich halte Dich deßhalb nicht für undankbar; ich bin über⸗ zeugt, daß Du uns für alle unſere Sorgfalt, für un⸗ ſere Liebe, für unſern Wunſch, Dich glücklich zu ſehen, Dank weißt; aber, mag es nun unſer Fehler oder der Deinige ſeyn, unſere Bemühungen führen zu keinem Ziele. Du langweilſt Dich bei uns.“
Sabine ſenkte den Kopf und eine Thräne entfiel ihren Augen.
„Sie haben Recht,“ ſprach ſie,„ich bin nicht
glücklich.“
Madame Simon zog ſie auf eine Cauſeuſe, und ſagte, halb betrübt, halb lächelnd über die Anmaßung des ſchönen Kindes, traurig ſeyn zu wollen:
„Nun höre, Sabine, erzähle mir, was Dich ſo quält? Was für eine trübſelige Idee iſt Dir durch den Kopf gegangen? Sag' es mir und Du wirſt ſeheh, daß mit Deinem Vertrauen Dein ganzes Unglück von Dir weichen wird.“


