Teil eines Werkes 
1. Band, Problematische Naturen : 1. Band (1866)
Entstehung
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180 Problematiſche Naturen.

zur ungehinderten Beobachtung blieb. Aber auf dieſer Hälfte ſtand ſchon des Räthſelhaften genug. Die Stirn war eher hoch als breit, aber von außerordentlich zarten und zugleich kühnen Linien umſchrie⸗ ben. Ein Paar wie mit dem Pinſel gezeichnete Brauen zogen ſich in einer leichten Krümmung über einem Paar grauer Augen hin, deren Ausdruck in dieſem Momente wenigſtens, wo ſie raſch über die Ver⸗ ſammlung flogen, mindeſtens nicht angenehm war, eben ſo wenig wie das Lächeln, das wie Wetterleuchten an der feinen, geraden Naſe mit den beweglichen Flügeln hinzuckte, und des Mannes ganze Antwort auf das luſtige Geſchwätz zu ſein ſchien, mit dem Herr von Barnewitz ihn überſchüttete, während er ihn von der Thür bis zu dem Platze der Dame vom Hauſe auf dem Sopha begleitete. Frau von Barnewitz erhob ſich, den Ankömmling zu begrüßen, der ihr die Hand küßte und nach einer leichten Verbeugung gegen die anderen Damen ſich auf einen leeren Stuhl neben ihr ſinken ließ und alsbald, ohne die Uebrigen weiter zu beachten, eine lebhafte Uuterhaltung mit ihr begann. Oswald hatte den Ankömmling mit dem Auge des Indianers, der den Spuren ſeines Todfeindes nachſpürt, beobachtet, denn er

hatte auf den erſten Blick jenen Reiter wieder erkannt, der ihm

und Bemperlein im Walde begegnete. Es war der Baron Olden⸗ burg.

Nun geben Sie Acht, ſagte Herr von Barnewitz, auf Oswald zutretend und ſich vergnügt die Hände reibend.

Ich bin ganz Auge, ſagte Oswald mit einem nicht eben ſehr

natürlichen Lächeln.

Worauf ſollen Sie Acht geben? fragte Herr von Langen, wäh⸗

rend Barnewitz ſich zu einer andern Gruppe wandte.

Herr von Barnewitz hatte die Güte gehabt, mich auf Baron Oldenburg, der eben eintrat, als auf einen höchſt intereſſanten Mann

aufmerkſam zu machen.

Ah, iſt das Oldenburg? ſagte Herr von Langen,ich kannte

ihn noch nicht.

Da fuhr ein Wagen vor und Oswald erkannte in der Dame, die

ausſtieg, Melitta. Es wär ein Glück für ihn, daß Herr von Langfn