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Erſter Band.
Erſter Band.
„Nicht übel,“ ſagte Oswald,„und wer iſt die große ſtarke Dame mit den männlich⸗kühnen Zügen, die eben mit den drei Mäd⸗ chen in den Saal tritt?“
„Eine Baronin von Nadelitz mit ſ Töchtern. Sie iſt eine Katharina von Rußland im Kleinen. Urſprünglich hütete ſie die Gänſe des Barons, ihres nachherigen Gemahls. Sie ſoll ſo wunderbar ſchön geweſen ſein, daß ſich jeder Mann in ſie verlieben mußte, und dabei
ſo guten Herzens, daß nicht leicht Jemand, ohne gehört zu werden, von ihr ging. Es ſoll die Ehe nicht die glücklichſte geweſen ſein.“
„Die Töchter ſind auf alle Fälle ſehr hübſch,“ ſagte Oswald. „Der Baron iſt alſo todt?“
„Ja; ſeitdem hat ſie, wie man zu ſagen pflegt, die Hoſen ange⸗ zogen, das heißt diesmal in des Wortes ernſteſter Bedeutung. Ich
ſelbſt habe ſie in Stulpenſtiefeln und Inexpreſſibeln mit ihrem In⸗ ſpector auf einem Felde gehen ſehen, auf dem man bei jedem Schritt bis über die Knöchel einſank.“
„Wer ſind die beiden hübſchen Mädchen, die eben Arm in Arm
ſdurch den Saal kommen?“
Emilie von Breeſen und Lisbeth von Meyen; ſie ſind erſt letzt Oſterh eingeſegnet, und tragen, ſo viel ich weiß, heute zum erſten Mal lange Kleider. Soll ich Sie vorſtellen?“
Oswald antwortete nicht; denn in dieſem Augenblick ging die Thür auf und von Herrn von Barnewitz begleitet, deſſen Geſicht in der Er⸗ wartung der von ihm ſo fein eingefädelten Ueberraſchung vor Freude
glänzte, trat ein Mann in den Saal, deſſen Erſcheinung offenbar
einige Senſation erregte. Die laute Stimme des Grafen Grieben ver⸗ ſtummte, einzelne Herren ſteckten die Köpfe zuſammen, und in dem
Kreiſe der Damen um Frau von Barnewitz auf dem Sopha wurde
es verhältnißmäßig ſtill. Der Ankömmling war ein Mann von hohem, aber allzu ſchlanken Wuchs, deſſen äußerſt nachläſſige Haltung das Mißverhältniß zwiſchen Höhe und Breite nur noch mehr hervortreten ließ. Auf dem langen Leibe ſaß ein kleiner Kopf, deſſen wohlgerun⸗
ten ſdeter Schädel mit einem kurzen, ſtarken, ſchwarzen Haar bedeckt war. en Ein Bart von derſelben Beſchaffenheit zog ſich um Kinn und Wangen
h.“ und Mund, ſo daß nur die obere Hälfte ſeines Geſichts dem Phyſiognomen 1 12*
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