Teil eines Werkes 
1. Band, Problematische Naturen : 1. Band (1866)
Entstehung
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54 oblematiſche Naturen.

mandenunterricht gingen und alſo ex oftcio da waren, einigen alten Frauen, die der langen Gewohnheit bis an's Ende treu bleiben, und aus einigen Gutsbeſitzerfamilien der Nachbarſchaft, die ihren Hörigen ein gutes Beiſpiel geben wollten, beſtand. Das Innere der Kirche bildete einen mäßig großen, wohl erhellten, nicht gewölbten Saal, in welchem Kanzel, Altar und Bänke ſchicklich vertheilt waren— Alles ſehr neu, ſehr zweckmäßig— und ſehr nüchtern. Da gab es keine kleinen buntbemalten Fenſterſcheiben, kein Altarbild, keine pausbäckigen Engel in Bronce oder Holz, keine Votivtafeln, keine halbverwelkten Kränze, und wodurch noch ſonſt der Katholik ſeinen gemüthlichen Be⸗ ziehungen zu der überirdiſchen Welt, zu welcher ihm die Kirche eine Vorhalle iſt, einen Ausdruck zu verſchaffen ſucht. Das einzig Poetiſche in der Kirche waren die Schatten der Linden vor den Fenſtern, die auf der hellen gegenüberſtehenden Wand hin und her wogten, und die breiten Lichtſtreifen, die ſchräg durch den Raum fielen und der Phan⸗ taſie eine goldene Brücke bauten, aus dieſer nüchternen Atmoſphäre zu entrinnen in den Sommermorgen, der draußen warm und duftig auf Wieſen, Feldern und Wäldern lag. Von der Zuhörerſchaft ſchien indeſſen Niemand dieſes Weges zu bedürfen, oder ihn praktikabel zu finden, mit Ausnahme etwa eines hübſchen zehnjährigen Mädchens mit langen blonden Locken, die wohl ein lebhaftes Verlangen nach den bunten Blumen und weißen Schmetterlingen im Garten ihres Vaters, eines dicken Gutsbeſitzers, der neben ihr andächtig nickte, empfinden mochte, und deswegen von der hageren Gouvernante oft

zur Ruhe ermahnt werden mußte. Im Uebrigen trugen die Geſichter

aller Anweſenden entſchieden das Gepräge von Leuten, die ihre Ge⸗ danken zu Hauſe gelaſſen h men, und im beſten Falle von Menſchen, die ſich mit Anſtand langweilen.

Und in der That, es wäre ein Wunder geweſen, wenn dieſe Gemeinde ſich von dieſer Predigt hätte erbauen laſſen und von dieſem

Prediger. Oswald, der der Kanzel gegenüber hinter der Gutsbeſitzer⸗

familie zu ſitzen gekommen war, erkannte auf den erſten Blick, den er auf den Prediger richtete, und nach den erſten Worten, die er aus

des Mannes Munde vernahm, daß hier zwiſchen Geiſtlichem und Gemeinde ungefähr ſo viel Sympathie beſtehe, wie zW