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Erſter Band. 53
fühl der Ehrfurcht drückte, und begann den Weg, den ſie gekommen war, langſam zurückzuwandern.
„Das iſt eine merkwürdige Frau,“ ſprach der junge Mann bei ſich, während er raſcher weiter ſchritt;„ich muß mich näher nach ihr erkundigen. Wer hätte geglaubt, daß die Sätze der Philoſophen vom neueſten Schlage, Sätze, die freilich nur uralte Münzen mit etwas anderem Gepräge ſind, ſelbſt in dieſen Schichten des Volkes curſiren. Nun, nun, wenn ſelbſt die, Einfältigen und Friedfertigen anfangen, ſich darauf zu beſinnen, daß ſie Augen zum Sehen und Ohren zum Hören haben, ſo iſt ja wohl der letzte Tag der Dunkelmänner ge⸗ kommen.“
Neuntes Capitel.
Das Dorf Faſchwitz iſt ein Experiment der Regierung. Das Gut, eins der größten der Gegend, war wie faſt alle in dieſem Theil des Landes urſprünglich im Beſitz einer adligen Familie geweſen, und beim Ausſterben derſelben als erledigtes Lehen an die Krone zurück⸗ gefallen. Dieſe hatte, um ſich einen Stamm kleinerer Grundbeſitzer oder freier Bauern zu ſchaffen, an denen es hier faſt ganz gebricht, hier und an anderen Orten förmliche Bauerncolonien gegründet, indem ſie große Lehngüter parcellirte und die einzelnen Parcellen zu Spottpreiſen an Liebhaber verkaufte. T E Faſchwitzer Gemeinde hatte ſie eine Kirche gebaut, einen Prediger in den Ort geſchickt; es war nicht die Schuld der Regierung, wenn die Faſchwitzer nicht gediehen.
Indeſſen ſtand zu wünſchen, daß ſie von den übrigen ihnen ge⸗ währten Vortheilen und Vorzügen einen beſſeren Gebrauch machten, als von der Gelegenheit, ſich allſonntäglich geiſtige Nahrung zu ver⸗ ſchaffen, denn Oswald fand, als er ſich durch eine Seitenthür— die Hauptthür war verſchloſſen— Eingang verſchafft hatte, daß die „anvächtigen Zuhörer“ aus einigen Kindern, die wohl zum Confir⸗


