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Erſter Band. ⸗
Oswald hatte ſchon den Hof des Gutes hinter ſich. Er kam auf dem mit Weiden an beiden Seiten beſetzten Wege an der Stelle vorüber, wo der Streit zwiſchen Bruno und dem Knecht ſtattgefunden hatte. Unwillkürlich blieb er ſtehen; die ganze Scene wurde wieder lebendig vor ſeinem Auge; er ſah den ſchönen Knaben, zürnend und drohend, wie ein jugendlicher Gott; und den feigen zurücktaumelnden Knecht. Faſt that es ihm leid, daß er ſeinen Liebling zum Zurück⸗ bleiben vermocht hatte. Er fühlte ſich ſo leicht, ſo froh an dieſem
ſchönen Morgen, und es war ihm ſchon zur lieben Gewohnheit ge⸗
worden, wenn ſeine Seele ein Feſt feierte, den Knaben zu Gaſt zu
haben.„Du, wie Al Hafi, Wilder, Guter, Edler!“ ſprach er bei
ſich,„was willſt Du in dieſer Welt von weibiſchen Männern! Fürch⸗
ten ſie ſich doch jetzt ſchon vor Dir, da Du ein Knabe biſt, was
werden ſie thun, wenn Du ein Mann geworden! Ein Mann thut
uns noth, ſchreien die Gelehrten aller Arten. Wie wollt ihr Männer
haben, wenn Haus und Schule und Leben ſich gegenſeitig unterſtützen, die ſtolze Kraft im Keim zu brechen! Da ſchnitzeln ſie an dem Bogen“ und ſchnitzeln immerfort, und wundern ſich, wenn das feine Ding hernach zerbricht. Pygmäengeſchlecht, das den Rieſen, den ein glück⸗ licher Zufall an ihren zden Strand geworfen, mit tauſend und aber tauſend Fäden regungslos an vie platte Erde feſſelt!“
Oswald war in dem beſten Zuge, ſich in eine miſanthropiſche Stimmung hineinzureden, aber der helle, leuchtende Morgen duldete die Nachtgedanken nicht. Ein Bild, das Bild einer ſchönen Frau, das geſtern Abend, bevor der Schlummer ſeine Augen ſchloß, noch zuletzt vor ſeiner Seele geſtanden hatte, das als ein lieber Schatten durch ſeine Träume geglitten war, und, wie der Nachklang einer köſt⸗ lichen Muſik, ihn ſchon den ganzen Morgen umſchwebt hatte, trat wieder vor ſeine Seele. Aber vergebens ſuchte er es zu bannen. Wer hätte nicht ſchon die Bemerkung gemacht, daß unſere Erinnerung die Geſtalten ganz unbedeutender, uns vollkommen gleichgültiger Men⸗ ſchen oft mit der kleinlichſten Genauigkeit, ohne daß wir es wollen oder wünſchen, uns vorführt, und ſich weigert, uns denſelben Dienſt, der jetzt wirklich ein Liebesdienſt wäre, bei den bedeutendſten und von uns am meiſten aeliebten Menſchen zu leiſten? Iſt es, daß wir ſo
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