Teil eines Werkes 
1. Band, Problematische Naturen : 1. Band (1866)
Entstehung
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48 Problematiſche Naturen.

Achtes Capitel.

Der Baron hatte Oswald angeboten, ihn nach der Kirche fahren zu laſſen; der junge Mann aber, der die ſchwerfälligen Braunen noch von dem Abend ſeiner Ankunft her in böſem Angedenken hielt, es abgelehnt. Bruno und Malte erwarteten heute die Knaben eines benachbarten Edelmanns zum Beſuch. Bruno wäre am liebſten mit Oswald gegangen, da dieſer aber ſelbſt ihn zu bleiben bat, ſagte er:

„Sie ſind recht froh, daß Sie mich auf ein paar Stunden los ſind, aber ich weiß, was ich thue. Ich gehe in den Wald und komme

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vor Abend nicht wieder nach Hauſe.“

„Das wirſt Du nicht thun, Bruno!“ „Und weßhalb nicht?“ fragte der Knabe trotzig.. „Weil Du mich lieb haſt.“ „Nun denn, ſo will ich Ihnen zu Liebe hier bleiben, den alber⸗ nen Bans von Plüggen nicht prügeln und mich überhaupt ſo muſter⸗ haft benehmen, daß ſelbſt Tante zufrieden ſein ſoll.“ „Thue das, lieber Junge. Leb' wohl!“ „Leh' wohl, Lieber, Beſter!“ rief der Knabe und warf ſich ſtür⸗ miſch an die Bruſt ſeines einzigen Freundes, und eilte von ihm fort, in den Garten, dort mit ſeinem wilden Herzen allein zu ſein. 5 Oswald ging aus dem Schloßhofe den Weß, von dem er wußte, daß er nach dem Pfarrdorfe führte. Die Sonne ſchien hell aus dem blauen Himmel, an welchem weiße Wolkenballen unbeweglich ſtanden. Es war nicht heiß, denn der Athem des nahen Meeres hauchte Küh⸗ lung durch die Sommerluft. Lerchen jubelten hoch droben„im blauen Raum verloren.“ An dem Rande des nahen Waldes, von dem eine Ecke, Oswald zur Rechten, weit in das bebaute Land hineinſchöß, zog ein Gabelweih ſeine Kreiſe. Auf den Feldern ſah man keine Arbeiter; die Ackergeräthe lagen müßig. In einer Koppel, an welcher der Weg vorüberführte, lagen in ſatter Ruhe Kühe und Kälber; ein paar muntere Füllen kamen an den Zaun, und ſahen neugieria nach dem Wanderer. 3