Teil eines Werkes 
1. Band, Problematische Naturen : 1. Band (1866)
Entstehung
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Erſter Band. 43

„Seit vierzehn Tagen etwa, gnädige Frau.“

„Sagte mir die Baronin nicht, daß Sie aus der Reſidenz kämen?“ fragte Melitta, die neugierig war, zu erfahren, ob ſich ihre Vermuthung wegen Oswald's Anzug beſtätigte.

„Nicht direct, gnädige Frau; ich lebte zuletzt in Grünwald.“

„In Grünwald? das intereſſirt mich. Da könnten Sie mir ja gleich die beſte Auskunft geben. Die Sache iſt nämlich die— aber ich langweile Sie gewiß mit meinen indiscreten Fragen!“

„Bitte, gnädige Frau; ich würde mich glücklich ſchätzen, Ihnen irgendwie dienen zu können.“

„Sehr gütig. Die Sache iſt die. Ich will meinen Sohn— er iſt ungefähr in Bruno's Alter—“

„Oho, Tante, drei Jahre jünger!“ rief Bruno, der ſich jetzt in einiger Entfernung auf einer Schaukelbank wiegte.

„Welch' ſcharfes Ohr der Junge hat,“ ſagte Melitta, ihre Stimme ſenkend.„Alſo, ich will meinen Julius nach Grünwald auf's Symnaſium ſchicken. Oder vielmehr, ich muß, denn ſein Lehrer, ein Herr Bemperlein, der ſchon ſechs Jahre bei ihm iſt, hat eine Pre⸗ digerſtelle bekommen und wird uns in dieſen Tagen verlaſſen. Nun weiß ich nicht— aber da kommt die Baronin— ich muß meine tauſend und eine Frage über tauſend und ein verſchiedene Dinge, die mir ſo vollkommen fremd ſind wie meinem guten Bemperlein, der längſt verlernt hat, wie es in der Stadt ausſieht, wenn er es überhaupt jemals wußte, auf eine gelegenere Zeit verſparen. Hier kommt man ja doch nicht dazu. Wie wär's, Herr Doctor, wenn Sie mich in dieſen Tagen mit Ihrem Beſuche beehrten; morgen Nach⸗ mittag etwa?“

Oswald verbengte ſich.

„Ich habe den Herrn Doctor gebeten, mir morgen ſeinen Beſuch zu ſchenken,“ ſagte Melitta, zur Baronin gewandt, die in dieſem Augenblick mit Mademoiſelle Marguerite wieder in's Zimmer trat. „Es iſt wegen der Grünwalder Angeledenheit. Ihr habt doch nicht worgen Namittag etwas Beſonderes vor, denn ich möchte nicht, däß der Herr Doctor Stein wir ein allzugroßes Opfer bringt.“

mi- etwas ſagte die Baronin;„Sie kennen ja