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Die Eroberung von Toulouse : eine historische Novelle / von Frederic Soulié ; aus dem Französischen übertragen
Entstehung
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98 Sohn hundertmal erzaͤhlt haͤtte, mit was fuͤr Ausdauer und Hel⸗ denmuthe Du ihm auf der ſchwierigen Reiſe durch Frankreich bei⸗ geſtanden haſt, wenn ich Dich nicht ſelbſt bei Beaucaire hätte fechten ſehen, wo Du unter den Tapferen der Tapferſten einer warſt, ich würde ſtaunen über die Luͤge, die Du hier mit ſolcher Kuͤhnheit und Unverſchaͤmtheit ausſprichſt. Der Name des Vicomte iſt in die Zuͤge dieſes Kindes unverkennbar für Alle, die den Vater gekannt haben, eingeſchrieben; er iſt der wahre Erbe des edeln Roger, und noch hat das Unglück uns nicht ſo zerſpalten, daß keiner mehr das Kind wieder erkennen ſollte, das noch vor wenigen Monaten im Schloſſe des Grafen von Foix war. Aus welchem Grunde willſt Du uns alſo die ſchutzloſe Waiſe entziehen?

Otho ſchwieg eine Weile, verſetzte aber dann mit dem Aus⸗ drucke der Geringſchätzung:Du ſelbſt haſt das Wort genannt, entziehen will ich ſie den Rittern, denn die Einen wuͤrden doch nur ihren Empoͤrungsgeiſt, die Anderen ihre Feigheit dem Kinde ein⸗ impfen wollen. Entziehen wollte ich es Euch, damit ich es in die Haͤnde Eures Sohnes als Pfand der Treue ſeiner Vaſallen nieder⸗ legen koͤnnte.

Aus dieſem Grunde will ich es haben, verſetzte der Graf, denn noch bin ich Herr und Meiſter von Languedoc, wenn auch Du und mehre Andere Deines Gelichters gethan haben, als waͤre ich nicht mehr da, mich meines Sohnes halber entfernen und ihn an meine Stelle ſetzen wollen; aber keinem von Euch ſoll es gelingen. Feinde von Außen her, Feinde im Innern meiner Lande, Feinde im Innerſten meiner Familie, ich uͤberwaͤltige ſie Alle.

Der Ton, in welchem der alte Graf dieſe Worte ſprach, hatte ebas ſo entſchieden Befehlendes, etwas ſo Erhabenes, daß nichts darauf erwiederte. Der Graf fuhr fort:

Geh' zu meinem Sohne, und dieſen Auftrag wirſt Du ganz ſo ausrichten, wie ich ihn Dir gebe; geh' und ſage ihm, er ſoll nicht aus Beaucaire herausgehen, ſoll keinen Schritt weiter gehen, bevor es ihm nicht mein ausdrücklicher Befehl gebietet.

Ich will ihm den Befehl überbringen, aber ich zweifle, daß der junge Löwe entgegnete Otho.