91 als daß er dem leichtglaͤubigen Abte die Worte und Eide zuflüſtern ſollte, mit denen er das Volk zu täuſchen hatte. Und kaum hatte David Roair eine Darſtellung von der Lage der Stadt und deren Hülfsmitteln gegeben, als der Abt mit den Worten auftrat:
„Wozu eine Stadt vertheidigen, die Niemand angreifen will?“
„Wozu?“ rief David Roair, der die Worte des Abtes fuͤrch⸗ tete,„wozu iſt denn Montfort mit einem Heere angezogen gekom⸗ men und hat ſich der Stadt gegenüber aufgeſtellt? Wozu haben denn er und ſeine Leute ſich mit Gewalt in die Stadt eindrängen wollen?“
„Was Du da ſagſt, Roair,“ erwiederte der Abt,„iſt ent⸗ weder eine infame Lüge, oder eine ungluckſelige Thorheit! Wenn der Graf Simon von Montfort nach der Gascogne und dort den vom Grafen von Foir allenthalben angezettelten Aufſtand unter⸗ druͤcken will, muß er vor Toulouſe vorbei, weil es ihm am Wege liegt; wenn eine Anzahl Leute von ihm in die Stadt gewollt haben, ſo waren ſie hierzu berechtigt, denn der von der Kirche fuͤr Euch ein⸗ geſetzte Lehnsherr iſt, vermoͤge eines mit Euch ſelbſt abgeſchloſſenen Pactes, befugt, Herberge fuͤr ſich und tauſend Pferde zu fordern; wenn alſo Blut gefloſſen iſt, wenn ein furchtbares Gemetzel Statt gefunden hat, ſo ſind die Schuld daran, die beim Anblick ſeiner Truppen Verrath! und: zu den Waffen! geſchrieen haben; hier haben die Franzoſen nicht angegriffen, ſondern nur ſich vertheidigt. Soll dieſes ungluckſelige Mißverſtaͤndniß neuen Vorwand zu einem unverſohnlichen Kampfe gewaͤhren? Beide Parteien haben das Schwert gezogen, die Stadt wird der Verwuͤſtung Preis gegeben werden; glücklicherweiſe hat unſer verehrungswürdiger Biſchof dem Grafen die Sache erklaͤrt, er hat ihn überzeugt, daß auf beiden Seiten ein Mißverſtaͤndniß obgewaltet habe, er ſieht ein, daß, wenn Ihr in Euerem Mißtrauen zu weit gingt, er ſich von ſeinem Zorne zu weit fortreißen ließ. Doch lagen gegen Euch Verdachtsgrunde vor, wie gegen ihn keine vorlagen. Er weiß, daß Euerer Eide ungeachtet Viele von Euch, die weder Gnade, noch Strenge zur Unterwerfung bringt, mit dem alten Grafen von Toulouſe geheime Einverſtändniſſe unterhalten, er weiß, daß Ihr, von dem verzweifelten


