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Die Eroberung von Toulouse : eine historische Novelle / von Frederic Soulié ; aus dem Französischen übertragen
Entstehung
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Alle, die vorher fuͤr den Biſchof Foulques und ſomit auch fuͤr Simon von Montfort aus Furcht, ſie moͤchten ſonſt der Ketzerei beſchuldigt werden, Partei ergriffen hatten, ſich aber dadurch auch nicht vor den Plackereien der Franzoſen geſchuͤtzt ſahen, wollten, obgleich Raimund von dem Verbrechen der Ketzerei freigeſprochen war, von der einmal ergriffenen Partei doch nicht gleich zuruck⸗ treten. Andere, deren Ruf oder Vermoͤgen bei dem erſten Er⸗ ſcheinen der Franzoſen gefährdet war, waren die eifrigſten Ver⸗ fechter der Kreuzzuge geworden, und nicht nur durch ihre Anerken⸗ nung Montfort's, ſondern auch durch den Mißbrauch der ihnen von dem Sieger übertragenen Gewalt compromittirt; denn mittelſt

dieſer hatten ſie mit Anklagen und Bedruͤckungen Jeden verfolgt,

der ſich fruͤher vielleicht einmal als ſtrenger Glaͤubiger gezeigt oder ihnen eine noch nicht vergebene Beleidigung zugefuͤgt hatte. Da⸗ her kam es, daß Einige Montfort mit lautem Jubel begruͤßten, während Andere nichts als unglück ahnten. David wußte von dem Grafen von Toulouſe, dieſer habe Montfort und ſeine Armee vor Beaucaire gelaſſen, hielt die Truppen fur diejenigen Heeresabthei⸗ lungen, die unter den Befehlen ſeines Sohnes Amaury oder ſeines Bruders Guy ſtanden, und ging ſofort auf den Wall, um ſich mit eignen Augen davon zu uͤberzeugen. Aber zu ſeinem Schrecken ſah er von hier aus, daß die Truppenmaſſen, die ſich in der Ebene verbreiteten, zahlreicher waren, als alle Banden der Generale Mont⸗ fort's zuſammengenommen, und als unmittelbar vor dem Thore Sabra ein Knappe das Banner mit dem rothen Loͤwen aufpflanzte, kam ihm die Ueberzeugung, daß Montfort ſelbſt an der Spitze ſeiner ganzen Heeresmacht da ſei.

Dieſes Zuſammentreffen mit Raimund's Ankunft ließ An⸗ fangs die Vermuthung in ihm entſtehen, Montfort ſei von letzterer unterrichtet, und ſtatt nun in der Rathsverſammlung dieſelbe anzu⸗ zeigen, eilte er nach Hauſe, um vor allen Dingen den alten Grafen in Sicherheit zu bringen.

Schon vor Roair hatten ſich eine Menge Toulouſer, und un⸗ ter dieſen die Edelſten und Reichſten auf den Wall begeben, um ſich von den Abſichten der heranziehenden Armee zu vergewiſſern.

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