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Die Eroberung von Toulouse : eine historische Novelle / von Frederic Soulié ; aus dem Französischen übertragen
Entstehung
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Der mit Guy von Levis getroffenen Vorſichtsmaßregeln un⸗ geachtet, beunruhigte ihn doch der Gedanke, ſich einer ganz und gar verlorenen Sache gewidmet zu haben, lebhaft, und er beſann ſich noch, ob er wirklich nach Toulouſe gehen ſollte, als er in Caraman hörte, daß Montfort mit ſeinem ganzen Heere vor deſſen Thoren ſtehe. Aber Otho war trotz ſeines Ehrgeizes nicht der Mann, den eine drohende Gefahr zu einer Handlung der Feigheit haͤtte verleiten können; ſtets fragte er nur, wo iſt der Vortheil, und nicht, wo iſt die Gefahr. So ſah er auch nach einem Augen⸗ blick Ueberlegung, daß der größte Vortheil ihm nur von Raimund's Seite herlaͤcheln könne, und ohne einen Augenblick an die bevor⸗ ſtehenden Gefahren zu denken, drang er in die Stadt und begab ſich zu dem Buͤrger David Roaix, einem als die Seele aller wider die Franzoſen geſchmiedeten Complotte bekannten Manne, der allein den Drohungen des Biſchhofs widerſtanden hatte, der noch jetzt den Grafen von Toulouſe heimlich bei ſich beherbergte und als Capitul das ſtädtiſche Gemeindeweſen leitete. Otho erfuhr hier, was während ſeiner Abweſenheit vorgegangen war, Ereigniſſe, die Languedoc fuͤr immer zu Grunde zu richten ſchienen, aber gerade ſpaͤter ſeine Rettung herbeiführten.

Montfort hatte ſeinen Marſch naͤmlich ſo beſchleunigt, daß er ſchon nach drei Tagen Montguiscard, wohin er durch Eilboten alle ſeine im Toulouneſiſchen zerſtreuten Truppen, Ritter und Reiſigen beordert hatte, erreichte. Nachdem er ſich mit allen dieſen vereinigt, brach er um Mitternacht wieder auf, und mit Tagesan⸗ bruch ſahen die Toulouſer eine tuchtige Armee, vornweg den Mont⸗ fort'ſchen rothen Loͤwen, anruͤcken. In derſelben Nacht war Rai⸗ mund von Toulouſe heimlich in die Stadt gekommen, und eben wollte ſich Roair auf das Capitol begeben, um ſeinen Collegen das glückliche Ereigniß mitzutheilen, als er auf den Straßen ein auf⸗ fallendes Leben wahrnimmt. Von allen Seiten Zeichen des Stau⸗ nens, meiſt mit denen des Schreckens, ſelten mit Freudebezeigungen vermiſcht; denn wie uͤberall ſo hatten ſich auch hier waͤhrend des langen und ſchrecklichen Buͤrgerkriegs verſchiedene Parteien ge⸗ bildet.