Druckschrift 
Die Eroberung von Toulouse : eine historische Novelle / von Frederic Soulié ; aus dem Französischen übertragen
Entstehung
Einzelbild herunterladen

77

Otho hatte noch den Dolch ſeines Vaters in der Hand; was war's denn weiter, wenn er dem todten Mädchen die Moͤglichkeit des Wiedererwachens benahm? Schon war der Dolch gezuckt. Horch. da hort er ſchwere dumpfe Schritte ſchlürfen und leiſes Gemurmel... daran erkannte er ſeinen Vater.

Sie ſchlaͤft, murmelte dieſer vor ſich hin,ſie ſchläft, das iſt gut, ſehr gut.

Es war, als wenn die Hölle zur rechten Zeit Othon immer neue Werkzeuge in die Hände gab, wenn ihm immer neue Schwie⸗ rigkeiten in den Weg traten. Wie eine Eingebung des Himmels oder der Hoͤlle faßte er die Worte ſeines Vaters auf und ſagte: Ja, gnädiger Herr, ſie ſchlaͤft, hier iſt ſie.

Wo denn? fragte der Greis. Da faßte ihn Otho bei der Hand, fuͤhrte ihn an das Ruhebett, wo Guilellmeta lag, und legte ſeine Hand auf den Buſen des Maͤdchens.

Das iſt ſie, verſetzte der Greis.

Das iſt Signis, antwortete Otho,und Michael wird gleich da ſein, Michael, den Ihr auch verurtheilt habt.

Der Greis zitterte, aber Otho druͤckte ihm den Dolch in die Hand und verließ, ohne ſich weiter zu kuͤmmern, was aus dieſem furchterlichen Gegenüber entſtehen könne, ſchnell die Galerie.

Die Plaͤne ſeines Vaters mußten ihm nun klar ſein, er wollte die Beſtrafung der Schuldigen; dieſe fire Idee unterbrach zwar jeder fremdartige Gegenſtand, aber wenn er allein war, faßte er ſie ſogleich wieder auf und verfolgte ſie weiter. Furchtbare Ereigniſſe, ſchreckliche Verbrechen konnten aus den von Terride vorbereiteten Handlungen entſtehen; aber er konnte die daraus entſtehende Ver⸗ wirrung benutzen, den Schein einer Theilnahme daran von ſich abwenden, und das Uebrige konnte den kalten und grauſamen Ehr⸗ geiz, der ſein Glück auf das unglück eines Kindes gruͤnden wollte, nicht kummern. Denn aus keinem anderen Grunde beabſichtigte er die Entfuhrung des jungen Beziers, während der Verdacht davon auf Levis und Signis fallen mußte. Ungefahr zwanzig Schritte

von der Galerie bemerkte Otho bei dem erſten Anbruch der Mor⸗