—
60
auf das Evangelium in der Stola geſchworen... Du wirſt Dei⸗ nen Eid halten.“
„So mag denn die Grafin ſterben,“ rief Eredo,„das iſt viel⸗ leicht Gerechtigkeit.“—
„Sie liebt alſo?“ ſchrie der Greis auf.
Credo gab keine Antwort.
„Sie liebt alſo?“ wiederholte der Greis und ſtand auf.
Credo wandte das Geſicht weg.
„Sie liebt alſo?“ ſchrie der Greis noch einmal.
Credo wollte ſich wieder wegwenden, aber der alte Graf wie⸗ derholte noch einmal ſeine Frage, und diesmal mit einer ſo ſchreck— lichen, niederſchmetternden Miene, daß Credo im dumpfen Tone ſagte:„Nein, ihn liebt ſie nicht, weil ſie einen Anderen liebt.“
Da ſtieß der Greis einen Schrei des Entſetzens aus und wie⸗ derholte:„Einen Andern;“ riß mit einer Kraft, die nur die Wuth auf einige Augenblicke verleihen kann, den Dolch aus Credo's Hand, ſetzte ihn ihm auf die Bruſt und ſ⸗„Dann mußt Du mir ihn nennen!“
„Michael nennt er ſich, gnädiger Herr!“
Wie ein Donnerſchlag traf dieſer Name den Alten; der Dolch entfiel ſeiner Hand, und mit der Stimme der Gräber ſagte er: „Der Fluch des Herrn hat mein Geſchlecht heimgeſucht! Laß mich, Credo.“
Der Diener wäre gern geblieben, aber der alte Graf herrſchte ihm zu:„Geh, wenn Du nicht ſterben willſt, wenn es nicht wahr iſt, oder wenn es wahr, daß Du mir es nicht ſchon längſt geſagt haſt.“ Credo ging, und der Greis blieb allein.


