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Schläfers zu weiden, wenn er ſich an einem ihm unbekannten Orte wiederfinden würde.
Bald auch erwachte der Graf aus ſeinem ſchweren Schlummer, wurde ſich des Zweckes ſeines Ganges dunkel bewußt, ſprang mit einem Satze auf und blieb beſtuͤrzt ſtehen, als er ſich in einem fremden, kleinen Zimmer, ſtatt in der weiten Galerie, wo er ein⸗ geſchlafen war, wiederfand. Wenn dem jungen Herzen einen Au⸗ genblick lang bange war, denn Niemand kann ſagen, es habe ihm niemals einige Furcht angewandelt, ſo verſchwand dieſe Bangigkeit doch bald bei dem Anblicke des ſchoͤnen Gefaͤngniſſes und ſeiner liebenswürdigen Hüter. Einen Augenblick betrachtete ſie der junge Graf mit achtungsvoller Aufmerkſamkeit, die bald in ehrfurchtsvolle Liebe uͤberging, und auf das Knie ſich beugend, ſagte er:
„Heilige Bewohner des Himmels, ſeid ihr auf Erden erſchie⸗ nen, um einen Unglucklichen zu beſchuͤtzen?“
„Wofuͤr haͤltſt Du uns denn,“ fragte Regina mit ſanfter Stimme und einem kaum unterdrückten Lächeln.
„Seid Ihr denn nicht,“ rief der Graf, noch auf das Knie ge⸗ beugt, und Thränen im Auge,„ſeid Ihr denn nicht die heilige Jung⸗ frau? die Mutter unſeres Herrn Jeſu Chriſti, und Deine Begleite⸗ rin Marie Magdalena, die Suͤnderin?“ 8
Die Grafin Livia Norwich biß ſich zwar etwas verletzt in die
Lippen, ſie war aber keine Frau, die uͤber ein Mißverſtändniß, das zwar ſo viel peinlich Wahres enthielt, lange zurnen konnte, denn ſie verhehlte ſich das Treffende des Vergleiches nicht, und ihre Liebe mit dem Könige Johann war nicht die einzige, die von ihr erzählt wurde. „Du haſt recht, junger Mann,“ erwiederte ſie,„und unſer Schutz ſoll Dir nicht fehlen, wenn Dich Dein Muth deſſen ſo würdig wie Dein Stamm, Deine Ritterlichkeit gegen die Damen ſo wuͤrdig wie Deine Schönheit macht.“
Leider haben mich nur Elend und Verbannung einige Pflich⸗ ten gegen die Damen kennen gelehrt, den Muth und die Aus⸗ dauer im Leiden; aber kommt der Tag, wo ich wieder in mein


