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Die Eroberung von Toulouse : eine historische Novelle / von Frederic Soulié ; aus dem Französischen übertragen
Entstehung
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„Wohlan, Herr Baron von Terride, Ihr ſeid mehr Engländer, als Franzoſe oder Provengale, und wenn Ihr Euch auch laut uber die Feigheit und den Geiz des Königs Johann beklagt, ſo thut Ihr es doch im Innern vielleicht viel weniger. Die Reiſe war muͤhevoll, aber durch die Laͤnder, die ſie durchſchnitt, konnte ſie nicht anders ſein. Euer Aufenthalt in Rom dagegen war glanzvoll, wem habt Ihr das zu danken, Herr von Terride? Der Graͤfin von Norwich, deren Tochter Regina dem König Johann ſo nahe ſteht, daß Graf Norwich ſeine Gemahlin verſtoßen und nach Rom zurück⸗ geſchickt hat, wo er ſie kennen lernte, als er wegen eines am hei⸗ ligen Freitag gelieferten Zweikampfes Buße that. Oder, Herr von Terride, wünſcht vielleicht der König fuͤr das Madchen einen Mann, wie der junge Graf von Toulouſe iſt, und will er ihren Gemahl reich und maͤchtig haben? Der König von England ſchätzt die Dinge dieſer Welt zu richtig, als daß er etwas aus reiner Groß⸗ herzigkeit oder Vaterliebe thut; und wenn er ſeinen Schwiegerſohn Grafſchaften erobern hilft, ſo hat der Schwiegerſohn vielleicht ſchon im Voraus den Lehnseid geleiſtet und wird die Lehnsherrlichkeit des Königs von Frankreich gegen die ſeinige vertauſchen. Und darin finden wir die Urſachen, aus denen Euer Aufenthalt in Rom ſo glanzvoll ſein konnte.“

Anfangs hoͤrte Otho mit ſorgenvoller und mißtrauiſcher Miene, aber ſchweigend zu, dann trat ein leichtes Laͤcheln auf ſeine Lippen, und ſeine Zuge gewannen den Ausdruck harmloſer Heiterkeit.

„Meine Herren Barone,“ hub er an,„als ich aus der Provence vertrieben, von Stadt zu Stadt irrte und endlich nach Bordeaur kam, wo gerade die Bluͤthe aus der Ritterſchaft der Welt, der König Richard war, hatte ich weder Namen, noch Waffenthaten, die mich bei ihm einführen konnten. Aber mir war die vaterlaͤn⸗ diſche heitere Kunſt der Spielleute geblieben, und ich ſchwöre Euch,

ich hätte damals viel Geld darum gegeben, wenn ich ein Abentheuer

ſo wahrer anmuthvoller Liebe haͤtte erzahlen können, als das des jungen Grafen mit der ſchoͤnen Regina war, denn ich ſchwoͤre es bei meiner Seele, nur ein Abentheuer war es.“

„Erzählt es uns, Herr von Terride,“ riefen mehrere Stimmen.