„Ihr habt Euer Wort gegeben,“ unterbrach die Grafin Signis mit ſchlecht verhehlter Ungeduld. „Ihr habt große Eile mit deſſen pflichtmäßiger Erfüllung.“ „Ich muß wohl eilen, gnädiger Herr,“ entgegnete trocken die Gräfin,„wenn ich meine Tochter vor Tod oder Schande bewahren will. Und weil die glorreichen Herren von Languedoc weder ihre
Schlöſſer, noch die Ehre ihrer Frauen und Toͤchter mehr vertheidi⸗
gen koͤnnen, ſo muͤſſen dieſe einen kraͤftigeren und juͤngeren Be⸗ ſchützer ſuchen.“
Bei dieſen letzten Worten erhob ſich der alte Graf von Terride, aber der Zorn, der ihn erhoben, konnte ihn nicht aufrecht erhalten, und zuruckſinkend ſagte er mit einem Tone, der ſeine ganze Wuth ausſprach.„Jünger, nicht wahr Signis? Fällt Dir Dein Joch ſchon zu ſchwer, daß Du Dich deſſen durch die Verbindung Deiner Tochter mit einem Franzoſen entledigen willſt? Und doch, Weib, habe ich Dir einen der edelſten Namen des Landes gegeben, Du biſt Herrin uͤber mein ganzes Haus und herrſcheſt wie eine Koͤnigin“
„Eine Königin ohne Hof, eine Herrin ohne Diener und mor⸗ gen vielleicht eine Beute für den erſten Abentheurer, der es angreifen will. Nein, mein gnaͤdiger Herr, das kann ſo nicht fortgehen.“
„Ermeſſinde,“ wendete ſich der Greis zu feiner Tochter,„und willſt auch Du wie Deine Mutter, daß zur Stuh dieſer Mann Dein Gemahl werde?“
„Ihr habt Euer Wort gegeben,“ entgegnete die Tochter und ſchlug die Augen nieder.
„O,“ rief der Greis,„das mußte ſein, als eine thörichte Leiden⸗
ſchaft mich fuͤr die Tochter eines Aragoniers, der ſeine Mohren⸗
ſklavin geehlicht hatte, verblendete. Deine Mutter Signis war eine Magd und niedrigen Standes, und wenn ſie that, als nehme ſie ihrer Vermaͤhlung mit dem Grafen von Tudele wegen den wahren Glauben an, hat ſie doch im Herzen alle die Schlechtigkeit
und niedrige Geſinnung ihres Stammes bewahrt. Dieſe hat ſie uuf Dich, Signis, vererbt, und Du haſt ſie auf Deine Tochter ver⸗
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