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Die Eroberung von Toulouse : eine historische Novelle / von Frederic Soulié ; aus dem Französischen übertragen
Entstehung
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Laͤnger als zwanzig Jahre vor dem Tage, wo dieſe Geſchichte beginnt, war Credo noch ein Höriger der Abtei St. Maurice, wo er den Dienſt eines Jaͤgers bekleidete und ſich den Namen Wolf⸗ toͤdter erworben hatte. Dies war gerade die Zeit, wo die Ketzer⸗ lehren ſich uͤber das Land verbreiteten. Auch ſtand Macrou(dies war Credo's eigentlicher Name) im Verdachte, in den Waͤldern die Predigten der Waldenſer zu beſuchen. Aber in jenen Zeiten ver⸗ tilgte man die Ketzer noch nicht mit Feuer und Schwert, und der Abt von St. Maurice ließ Macrou vor ſich laden. Dies erfüllte den Geladenen mit fuͤrchterlicher Angſt, denn jeder Ketzer wurde, ſo hieß es, in eine mit ſcharfen Meſſern geſpickte Grube geworfen. Auf den Rath eines fahrenden Sängers beſchraͤnkte der arme Macrou, der ſich ſchon in den unterſten Kerkern des Kloſters ſah, ſeine ganze Vertheidigung auf das einzige WortCredo.

Sobald ihn daher der Prior frug:Glaubſt Du an die Lehren der parfaits? war ſeine Antwort:

Credo.

Du glaubſt alſo nicht an die heilige Dreieinigkeit?

Credo.

Und nichts Anderes war aus ihm herauszubringen, die Frage mochte nun in dieſem oder in jenem Sinne geſtellt ſein. Darüber verlor der Prior endlich die Geduld und herrſchte ihm zu:Glaubſt Du, daß Du einen Dummkopf vor Dir haſt?

Credo, war Macrou's Antwort.

Der Abt war nach den Chroniken weit mehr ein jovialer Lebemann, als Ascet, er verabſcheute noch dazu den Prior, den nach ſeiner Stelle geluͤſtete, und brach bei dieſer Antwort in lau⸗ tes Lachen aus, die andern Moͤnche folgten ſeinem Beiſpiele, und der Abt erklaͤrte: Der Mann glaubt an die heiligen Wahrheiten er ſei frei.

Seitdem hieß Macrou nur noch Credo; aber da er wohl wußte, daß der Prior ihm niemals das Gelaͤchter verzeihen wuͤrde, das er auf ſeine Unkoſten erregt hatte, verließ er heimlich das Ge⸗ biet der Moͤnche und trat in des Herrn von Terride Dienſte. Dies