Druckschrift 
Die Eroberung von Toulouse : eine historische Novelle / von Frederic Soulié ; aus dem Französischen übertragen
Entstehung
Einzelbild herunterladen

ScE ee e

4

ſein mußte, ſo kam man durch die mit einem doppelten Fallgatter geſchuͤtzte Ausfallthuͤre auf einen weiten Raum, durch den ſich zwiſchen

alten Eichen und ungeheuren Eſchen ein Pfad ſchlaͤngelte. Zu

beiden Seiten dieſes Weges zogen ſich ungefaͤhr ein halbes Dutzend kleiner Haͤuschen, Scheuern und Ställe hin, wo die Dienerſchaft des großen Vaſallen untergebracht war, denen die Sorge fuͤr das Zuchtvieh oblag; das Uebrige blieb wuͤſt liegen, bis auf einen geeb⸗

neten und feſtgetretenen Raum, der zum Spiel- und Uebungsplatze

für die Schloßbewohner diente. Der unterſte Theil der Ringmauer diente zum Marſtall fuͤr die zahlloſen Roſſe des Burgherrn, ſeiner Reiſigen und der Gäſte, wie zahlreich dieſe auch in die Burg ein⸗

ziehen mochten. Nach einer Wendung führte die Allee zu einer

zweiten Mauer, welche den ungeheuren Raum in ſeiner ganzen Breite durchſchnitt und ſich mit ihren Endpuncten an die beiden Seiten⸗ mauern anſchloß. Da jedoch dieſe zweite Mauer weit hoͤher lag als die erſte, ſo war ihr Erdgeſchoß in gleichem Niveau mit dem zwei⸗ ten Stockwerke der letzteren. Dieſer unermeßliche Raum war im Mittelpuncte zu einem rieſigen viereckigen Thurme benutzt, an deſſen rechte Seite ſich ein ungeheurer Waffenſaal, an deſſen linke eine Capelle lehnte, die in unſeren Tagen eine ſchon anſehnliche Dorfkirche ſein wuͤrde. Die Treppe, welche einen Theil des Thur⸗ mes einnahm, führte in die oberen Stockwerke, wo die dem Schloß⸗ herrn ſchon naͤherſtehenden Hausbeamten, wie der Zahlmeiſter, der Waffenſchmied, der Kellermeiſter, der Falkenirer und alle die Söldner wohnten, welche ſich um das Banner eines Burgherrn damals ſchaarten, ihren regelmäßigen Sold von dieſem bezogen, aber ihre eignen Pferde und Waffen und außerdem wohl noch zwei oder drei Knappen zu ihrem eignen Dienſte hatten. Hinter dieſem Ge⸗ bäude fand man wieder einen freien, aber ſorglicher gepflegten, mit Blumen und Fruchtbäumen bepflanzten Raum, an deſſen Ende wieder andere Bauwerke den nackten Felſen hinankletterten, welche das eigentliche Schloß bildeten. Hier waren die Hallen an einigen

Stellen in den Felſen hineingehauen, ein Labyrinth von Gaͤngen und Treppen führte in die Hoͤhe und mündete ſich auf einmal

auf einen weiten mit einer üppigen Vegetation bedeckten und von

3