Teil eines Werkes 
3. Band (1826)
Entstehung
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Oheim ſelbſt ſei, ſie bereuete es nun nicht, ihn am geſtrigen Abend nicht vorgelaſſen zu haben; denn wie viel ſchoͤner war jetzt der Empfang, vorbereitet auf ſeinen Anblick, von der trauri⸗ gen Vergangenheit ganz in Kenntniß geſetzt, konnte ſie ihm mit Wuͤrde, mit verſoͤhntem Gemuͤthe entgegen treten, die Uberraſchung hätte Alles verwirrt. Der morgende Tag war ein Feſttag für ſie, ſie, vom Schickſal auserſehen, die Schuld der Altern zu buͤßen, wie ſie wähnte, ſitand jetzt ein Engel der Verſoͤhnung, die Stell⸗ vertreterinn einer verklärten Mutter vor dem reuigen Bruder, geläutert durch Leiden, durch Entſagung, des ſchoͤnen Amtes wuͤrdig. Sie ſtand fruͤher wie gewöhnlich auf, ſie befahl ih⸗ rer Kammerfrau ein weißes Atlaskleid herbei zu holen, welches fuͤr den Hochzeitstag ihrer Toch⸗ ter beſtimmt geweſen war. Heute wollte ſie zum erſten Male die Witwentrauer ablegen. Bald ſtand ſie einfach aber hold geſchmuͤckt, zwar war ihre Wange bleich geworden, aber die herrlichen Augenſterne ſtrahlten noch in un⸗ vergaͤnglichem Glanze, reich und uͤppig legten ſich die dunkeln Seidenlocken um die hohe Stirn, ein Pfeil von blitzenden Diamanten feſſelte die reichen glänzenden Flechten uͤber derſelben.

So trat ſie Leontin entgegen, deſſen Ein⸗